FrauvonWelt

Die Welt von einem rosa Plüschsessel aus betrachtet.

Dunkle Gestalten

Verfasst von frauvonwelt am Mai 28, 2007

Berlin also. FrauvonWelt und Susi haben die Metropole erreicht. Alles ist nass. Die Hauptstadt trieft. Kreuzbergs Straßen ein Grau. Die beiden stürzen in den Würgeengel, der zu dieser frühen Stunde erst spärlich besucht ist. Der Tisch rechts vom Tresen empfängt sie träge. Susi lässt sich auf einen Stuhl fallen. Hier hat er gesessen, erklärt sie wortkarg und wird im gleichen Moment totenbleich.
“Susi? Was ist los? He, Bedienung, kann ich mal schnell ein Glas Wasser haben?”
Die Bedienung kommt gerannt und bringt das rettende Elixier. “Hier, trink! Und du leg ihr die Füße hoch. Ja, ja, das kenn ich. Der Kreislauf. Schon nen Schwangerschaftstest gemacht, Kleine? Was habt ihr denn für ne Tour hinter euch. Du bist ja völlig fertig.”
FrauvonWelt findet ein paar erklärende Worte, von wegen langer Autofahrt und Wetterumschwung und so. Aber die Bedienung ist eindeutig nicht von gestern. Sie kennt die Menschen, die hier reinkommen. Ihre Augen schauen tief. All die Gesichter mit all den Geschichten dahinter, sie kennt sie.
Susi kommt wieder zurück ins Leben und braucht jetzt was zu essen. Der große Tapasteller macht sie wieder gesprächig. Sie winkt die Bedienung zu sich. Dann erzählt sie ihr die ganze Tragödie. Die muss erst einmal lachen.
Das ist nicht euer Ernst? Du hattest einen One-Night-Stand in Berlin und suchst nun diesen Typen. Ach, Herzchen, hast du ne Ahnung wie viele Typen es in Berlin gibt? Hast du ne Ahnung, was in den Nächten dieser Stadt passiert? Wie viele verlorene Seelen hier gezeugt werden? In dieser Stadt kannst du nichts gewinnen. Vergiss den Typen, der dir dieses Kind gemacht hat. Fahrt wieder nach Hause.”
Susi, die gerade die letzte getrocknete Tomate vertilgt hat, sieht die Dinge allerdings ganz anders: “Ich denke überhaupt nicht daran. Ich will den Vater meines Kindes finden. Und ich weiß, ich werde ihn finden. Ich werde diese ganze verdammte Scheißstadt nach ihm absuchen. Ich werde jeden einzelnen Scheißtypen auf der Straße anquatschen und ihn fragen, ob er einen Künstler aus Schöneberg kennt. Ich suche ihn übers Radio und von mir aus auch übers Fernsehen. Ich will ihn finden. Und wenn es das letzte ist, was ich tue.”

Die Bedienung legt beide Hände auf Susis Schultern und fleht Beruhigung herbei. “Setzt dich wieder hin, Mädchen. Und dann wiederhol mal, was du da eben gesagt hast. Künstler aus Schöneberg? Hab ich da richtig gehört?”
“Ja, in seiner Bude standen zig Bilder rum. Er musste eine Ausstellung vorbereiten oder so was. Er hat viel erzählt von…”
“Unser Schneckchen”, fällt ihr die Bedienung ins Wort, “du hast dir tatsächlich unser Schneckchen geangelt. Das glaub ich ja nicht.”
“Du kennst ihn?” Susi springt auf, wird aber sofort wieder von den freundlichen Händen auf ihren Stuhl gedrückt.
“Ja, ich kenne ihn. Den kennt hier inzwischen jeder. Umso erstaunlicher, dass er sich hier n Mädel aufreißt, aber nun gut, du bist nicht von hier, wahrscheinlich hat er gedacht, er sieht dich nie wieder. Er war schon seit drei Wochen nicht mehr hier. Wahrscheinlich die Arbeit. Er sagt, die Geschäfte laufen gut. Er steht wohl kurz vor dem großen Durchbruch. Na, da kann er so was jetzt super gebrauchen. Ach, Mädchen, und jetzt soll ich dir wohl sagen, wo er wohnt?” Sie zögert, steht auf, kommt mit einem Stapel Postkarten zurück. “Hier, die sind von ihm. Da steht auch seine Adresse drauf.”
Susi nimmt die Postkarten. “Danke, vielen Dank. Wenn er nichts von mir und dem Kind will, ist auch okay, damit werde ich klar kommen. Er soll es nur wissen. Ich will auch kein Geld von ihm,” Susi macht eine lange Pause, die Tränen stehen ihr in den Augen, “ich will eigentlich nur einen Vater für mein Kind.”

Dreizehn Minuten später stehen Susi und FrauvonWelt vor seiner Wohnungstür. Die Nacht ist dunkel, der Regen hat aufgehört und es liegt eine samtige Reinheit über der Stadt.
“Nun klingle schon!”
“Nein, ich trau mich nicht.”
“Los, mach schon, sonst klingle ich.”
“Nein, Finger weg, ich weiß doch gar nicht, was ich sagen soll.”
“Egal, das weißt du in zehn Minuten auch nicht. Lass es auf dich zukommen. Ich klingle jetzt.”
“NEIN, tu das nicht. Ich muss das machen.”
“Okay, dann los.”
“Ich trau mich nicht.”
“Gut, dann ich.”
“NEIIIIN!”
Die Tür geht auf.
“Kann ich euch beiden irgendwie helfen? Was soll denn bitte das Geschrei hier vor meiner… DU??!!…Was machst du denn hier? Meine Güte kommt rein.”
Susi macht ein paar Schritte nach vorn und im nächsten Augenblick liegen sich die beiden in den Armen und ihre Lippen kleben aneinander.
FrauvonWelt, der Überflüssigkeit anheim gegeben, zieht die Tür langsam zu und denkt sich, dann geh ich mir halt die Berliner Nacht mal alleine anschauen. Sie spaziert zum Bahnhof Südkreuz und weiß eigentlich gar nicht wohin, als plötzlich neben ihr eine riesige, bucklige Gestalt aus dem Dunkel auftaucht.

Eine Antwort zu “Dunkle Gestalten”

  1. frauvonwelt sagte

    Erdge Schoss / Website (28.5.07 20:39)
    Das, liebe FrauvonWelt, kann ja heiter werden. Dank Susi, die “eigentlich nur einen Vater für mein Kind” will. Und sonst nichts? Gebenedeit sei sie unter den Weibern. Weswegen man dem werten Herrn Schneck vor allem viel Glück wünschen möchte: Viel Glück, Herr Schneck.

    mars / Website (29.5.07 09:47)
    ich will sofort wissen wie es weitergeht! *mitfussaufbodenstampf* :D

    FrauvonWelt / Website (29.5.07 10:07)
    Herr Schoss, wieso wünschen Sie denn dem Herrn Schneck viel Glück und nicht mir? Es wird ohnehin dauern, bis er sich von dem Kussgestöber erholt und Ihre Glückwünsche wahrgenommen hat. Ich hingegen bin doch jetzt ganz allein im dunklen Berlin mit dieser seltsamen Gestalt anbei. Ob das wirklich heiter wird, wage ich im Moment noch zu bezweifeln.

    FrauvonWelt / Website (29.5.07 10:14)
    Mein lieber Mars, bleiben Sie ruhig, Sie machen ja Ihrem Namensgeber alle Ehre. Da fangen selbst Phobos und Deimos an zu zittern, wenn Sie hier so rumstampfen. Schonen Sie Ihre dünne Haut, drehen Sie noch eine Runde durchs All und schauen dann wieder hier vorbei.

    Erdge Schoss / Website (29.5.07 10:15)
    Dann will ich das sofort nachholen, liebe Frauvon: Ihnen alles Glück dieser Welt.

    Dr. Walter Waßmuth (29.5.07 11:07)
    Hallo Frau,
    die Susi ist aber auch eine. Du aber auch.
    Dein Walter

    FrauvonWelt / Website (29.5.07 11:23)
    Mein Walter,
    Sie wollten doch noch von Ihrer Susi erzählen. Scheuen Sie sich nicht, ich bin ganz Ohr und wir hier unter uns.
    Deine Frau

    Scheibster / Website (29.5.07 15:34)
    Und der lustige Buckelfips war der Großglockner von Nôtre Dame auf Urlaub?

    Susi hat ihr Etappen-Happy-End. Ich hoffe, Sie bekommen Ihres auch, werte FrauvonWelt. Sie, oder wenigstens der lustige Buckelfips.

    FrauvonWelt / Website (29.5.07 21:36)
    Werter Scheibster, ob der Buckelfips wirklich so lustig ist, bleibt abzuwarten. Ich würde es mir wünschen, aber im Moment sieht es eher düster aus für mich. Sie haben nicht zufällig in den nächsten Tagen in Berlin zu tun?

    Stockfisch / Website (29.5.07 23:48)
    Das ist ja hier wie bei diesen komischen Fernsehserien die ewig laufen und immer dann mit einer Folge aufhören wenns Telefon klingelt oder so.
    Wird die Susi ihn heiraten und als Galeristin enden oder nicht?

    Ettore Schmitz / Website (30.5.07 09:45)
    Ich hatte irgendwie gehofft, daß Sie mich nicht erkennen, während ich auf Sie achtgebe, liebe FrauDr.vonWelt, aber geahnt habe ich es nicht. Gut so aber, denn in meinem als Buckel getarnten Armeerucksack (übrigens noch ein uraltes Stück von der niederländischen Bergwacht) habe ich natürlich alles Nötige vers(t)aut, was Sie vor dem Schlimmsten zu retten vermag.
    Aber ich glaube, ich werde es garnicht brauchen: soviele Herrn, die hier in der Fremde um Sie herumwuseln wie nicht gescheit.
    Im Prinzip kann ich wieder abschnallen und nach Herrn Dr. Waßmuth suchen, der mir mittlerweile in höchst sublime Nähe zu rücken beginnt – philosophisch betrachtet natürlich und besonders in Bezug auf Caféhäuser, gleichwohl ich gestern im TV wieder so einen Fernseh-Blechritter gehört habe, der irgendwo in Beirutz oder Tschinghis da drunten an einem Caféhaustischchen daherplärrte, er sei ja nun garkein Typ für larmoyante Caféhaustischchengespräche, sondern eher ein Wilderer im Kugelhagel der Natur, respektive des Gesamtlebens als solchem. Ja Sackzement, FrauvonWelt, HerrGschoß,WaßmuthsWalter: noch drei Mai Tai auf uns! Ach was, Fräuleinchen, bring’s uns gleich noch sechs! Espresso zwischendurch, Hennesy.

    Berlinatore Schmitz
    In FrauvonWelts Kügelchenhagel, hihi.

    Ettore Schmitz / Website (30.5.07 14:27)
    Dr.Schoiple sieht alles. Immer.
    http://plusblog.typepad.com/gunstgreis/frau-von-berlin.jpg

    BuckligevonWelt

    Also: keine Angst, liebe und hochverehrte Frau Dr.vonWelt, Sie sind nicht allein auf derselben.

    Ihr
    Editore Schmitz

    Dr. Walter Waßmuth (30.5.07 15:30)
    Sehr geehrter Herr Schmitz,
    aber hallo, da bin dabei – wenn mein Kopf wieder durch die Tür passt.
    Ihr Walter Waßmuth

    FrauvonWelt / Website (30.5.07 15:33)
    Na dann, mein Rettore, kriege ich ja auch bald ein Happy-End. Und was für eins. Zackzement.

    Ettore Schmitz / Website (30.5.07 18:02)
    Ihr/unser Happy-End, liebe Frau von Welt, wird so eine Art Vierertischlein im grundgültigen ewigen Caféhaus sein, damit Sie Ihre Lieben immer Beine einander haben…mindestens!

    GrinsSchmitz

    Erdge Schoss / Website (31.5.07 08:59)
    Werter Ettore, 4, 8, von mir aus auch 12. Aber 3 oder 6? Was haben Sie vor? 5 für FrauvonWelt, damit die drei Herren in Ruhe Halma spielen können oder Schnickschnackschnuck mit Schiedsrichter?

    FrauvonWelt / Website (31.5.07 09:16)
    Mein lieber Herr Schoss, wenn ich fünf MaiTai intus habe, spielt keiner mehr in Ruhe Halma.

    500beine / Website (31.5.07 10:30)
    schön. das gibt ne verlinkung.
    und da du bei myblog bist, diesem superscheissverein, ein ebk, extrabonusküsschen.

    Scheibster / Website (31.5.07 10:42)
    Tja, liebe FrauvonWelt, vor dem Herrn Schmitz werde ich so ja wohl nicht retten brauchen.

    Zumal ich leider in der nächsten Zeit auch gar nicht in der deutschen Hauptstadt weilen werde.

    Nicht dass ich einer nach Hilfe rufenden Dame nicht zu selbiger geeilt wäre. :-)

    Ettore Schmitz / Website (31.5.07 11:28)
    Gute Güte, Grundgültiger. Meisterbeine ist massiv unterwegs heute. Und verteilt feine Gaben fast wie Atheist Nitschke, der, Kußhände nach allen Seiten werfend, in seinem Ballettkleid durchs Kirchenschiff tänzelt.

    Was für ein Tag!

    Hard E. Schmitz

    FrauvonWelt / Website (31.5.07 11:49)
    Das wurde aber auch mal Zeit, hochgeschätzter Herr Beine, dass endlich jemand die Wahrheit über diesen Verein hier sagt.

    duste (31.5.07 18:54)
    Hier braucht man eine Lupe.
    Schade.

    Italo (31.5.07 19:48)
    I.Explorer: ANSICHT -> Schriftgrad -> Sehr groß
    Firefox: [STRG] -> [+] oder Scrollrad

    Wo iste di Probleme, e ?

    Italo2 (1.6.07 09:30)
    Im Koohpf.

    schneck06 / Website (2.6.07 20:14)
    bester schoss und beste frau frauvonwelt, ihnen vieren alles glück dieser welt auch von amberg zurückkehrend!

    FrauvonWelt / Website (2.6.07 23:28)
    Oh je, schon wieder Zahlen, die ich nicht verstehe. Wer ist denn hier vier? Lieber Herr Schneck, schön Sie zurück zu wissen. Dann kann es hier ja jetzt endlich weiter gehen.
    Wenn Sie mir zuvor das mit den Zahlen vielleicht mal ganz diskret erklären könnten?

    schneck06 / Website (3.6.07 00:01)
    na: sie, der renzo, der 499 und der ehrenwerte schoß. und susi schenkt einen 1,5 liter null-vierer doc-chianti von masi (”masi-bomber”) zum gepflegten bridge nach? soviel zu den zahlen, aber sagen sie, liebe frau frauvonwelt, was ist denn aus der düsteren sache ecke torgauer/naumann geworden? ich mache mir sorgen, ernsthaft!
    verbleibend, schneck

    FrauvonWelt / Website (4.6.07 09:49)
    Werter Herr Schneck, das war wirklich eine düstere Sache, ich muss mich noch von dem Schock erholen, werde aber bald berichten.

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