FrauvonWelt

Die Welt von einem rosa Plüschsessel aus betrachtet.

Wasserdirne

Verfasst von frauvonwelt am September 10, 2007

Ich wurde an einem Montag geboren. Mit den Füßen zuerst. 30 Jahre später ging ich auf eben diesen Füßen aus dem Haus, in dem ich bisher mit einem Mann gelebt hatte. Ich hatte ihn umgebracht. Ich wollte ihn nicht mehr. Mein Koffer wog nicht schwer. Ich ging ohne Last. Wenige Minuten nur stand ich an der Bushaltestelle, dann sollte die Reise meines Lebens beginnen.

Die vom Staub zerfressenen Häuser gleiten an mir vorüber. Ich sehe weder Fenster noch Eingänge. Schließlich verschwimmt die Häuserfront zu einer aschfarbenen Masse. Der Blick nach vorn bleibt an dem Arm des Busfahrers hängen. Ich betrachte ihn. Ich werde winzig klein, spaziere auf diesem Arm, die Haare wie Bäume, aber ohne Schatten. Schweiß erschwert das Laufen, macht den Boden rutschig. Dieser Mann hat Angst. Ich rieche sie. Angst macht schwach. Ich kenne keine Angst. Ich versuche das Gesicht des Mannes zu sehen, lande auf seiner Hand. Dunkle Augen, die böse blicken. Die Haare unter einer Mütze verklebt. In seinem Hemd die Schachtel Zigaretten, die ihm seine Frau gekauft hat. Bevor oder nachdem sie ihn betrogen hat?

Der Bus fährt nicht weit. Ich muss umsteigen. Ich verabschiede mich nicht vom Busfahrer. Er wird sich nicht an mich erinnern. Er wird sich auch schon bald an seine Frau nicht mehr erinnern. Sie wird vergessen sein. Tot. Er wird kein Busfahrer mehr sein. Er wird nie erfahren, dass er eine Mörderin auf dem Arm hatte. Seine Mörderin. In seinen Haaren ist sie umherspaziert und hat gewusst, dass seine Frau ihn betrog. Der neue Busfahrer wird sich an mich erinnern. Ich habe einen Plan.

Eine Antwort zu “Wasserdirne”

  1. frauvonwelt sagte

    Erdge Schoss / Website (11.9.07 00:54)
    Ola, liebe FrauvonWelt, bei Ihnen geht es heute aber düster zu.

    Goggi / Website (11.9.07 04:48)
    Ach was, düster! Liebe FrauvonWelt, es ist, lassen Sie es mich so sagen: wie eine Sonnenblume die dem Tau entwischt, sich gerade der Sonne zu räckelt, als einer sie abschnitt und nicht mal einen Franken ins Kässeli warf. Ihre Welt ist die schönste im weiten Internetz der Spinnereien. schreiben Sie weiter, erzählen Sie mir vom Plan, ich hab noch ein Reisebügeleisen, wir könnten fliehen!

    FrauvonWelt / Website (11.9.07 09:55)
    Und wenn Sie hier auftauchen, mein lieber Herr Schoss, ist schon wieder hell.

    FrauvonWelt / Website (11.9.07 09:57)
    Was, lieber Herr Goggi, heißt denn Spinnereien? Die sind alle in echt tot. Weswegen ein Fluchtplan unbedingt nötig ist. Als Bügelfrau nehm ich sie gerne mit.

    Erdge Schoss / Website (11.9.07 12:43)
    Ihre Worte, liebe FrauvonWelt, vertreiben die dunklen Wolken vom Firmament und machen es mir leicht, mich zum Champagnerempfang zu verabschieden.

    Herzlich
    Ihr Erdge Schoss

    Ettore Schmitz / Website (11.9.07 13:20)
    Ich an Ihrer Stelle, hypergeschätzter Dir. Schoß, wäre mal ein klein wenig vorsichtig, was die womöglichen Hintergründe von FrauvonWelts kleiner Geschichte angeht, und schon gar Schampanningerschluckevents am frühen Vormittag. Dienstags! Offenbar spricht sie ja in Rätseln, wenn nicht gar von einer, nennen wir als Nichtbiologen das mal “Gottseibeiunsanbeterin”, also einer Spinne(rin), die bekanntlich üblicherweise nach dem Aufgehüpfe ihren Gatten frißt oder zumindest irgendwie dermaßen zurückspritzt oder was, daß der sich final ablegt, Betrügereien hin oder her, ist doch wurscht in dem Fall.
    FrauvonWelt weiß ja mit (tödlicher) Sicherheit genau, warum sie hier schon wieder keine Lanze für Raucher (=Busfahrer) bricht, warum sie von glitschigen Gedanken nebst ebensolchen Zigarettenschachteln in speckiger Herrenoberbekleidung deliriert und letztlich wieder alle im Regen stehen läßt.
    Außer mich. Ich habe bekanntermaßen das tiefstgehende Verständnis für die wunderbare FrauDrvonWelt und ihre hervorgeragenden biologischen Studien über menschliche Tiefen und all das ganze Zeugs. Wunderbar.
    FrauvonWelt: ihr obengenannter Literaturtext schwingt mit breit ausladenden palmgleichen Wedeln wieder dermaßen von sukkulent über die Strände meines hochbeseelten Überichs , daß ich mir’s wirklich überlegen darf. Wie schön!

    Ihr hingebeungsbedachter
    Marcel RR Schmitz

    Lieber Herr FCGoggi aus dem schönen Dadrohm- Fußballparaiso, bitte geben Sie ein wenig Obacht, was die Reisebügeleisen betrifft. [Beschleunigungen von mehr als 7 Meter im Sekundenquadrat sind da aus dem Stand keine Seltenheit und lt. Herrn Prof. Einstein kommen die praktisch noch vorher wo an, wo man's fast nicht glaubt, bis man s'Blut hätte spritzen sehen, wäre man nicht längst anderweitig. Zumindest nicht mit FvW im Kernspin(n)-Wunderland. ]

    Goggi / Website (12.9.07 03:26)
    Herr Schmitz, lassen Sie mich doch der Gefahr aussetzen tot zu sein, aber dafür glücklich. Ihre Besorgnis ist rührend und ich werde mir Ihre Worte hinter die Ohren schreiben… waswaresnochmal?
    Geträumt hab ich vom BügelvonWelt, duftend zwischen den Bildschirmpixeln lachte sie mich an, nein, sie strahlte und alles war gut, auch wenn fertig, aber man kann nicht alles haben.

    Wo ist der Plan!

    Sonnensohle (12.9.07 07:27)
    Liebe FrauvonWelt, ich hab´s getan!!! Der Hochzeit ein Stück näher. Ettore freut sich sicher schon auf Lampedusa. Dumm nur ist folgendes:

    Mein Handy sagte „Katjahandy“ und riss mich aus den Träumen. Ich wollte schon seit Tagen diesen Anruf nicht versäumen. Nun war er da und klopfte an und wollte zu mir rüber. Mir wurde plötzlich furchtbar heiß mit zweiundvierzig Fieber. Und eh die Fieberkrämpfe kamen und Schwindel mir den Atem nahm erklang ein weiches „Hallo Du“ und sie war wirklich dran.

    Mein „Na hallo“ war unhörbar, doch das war fast egal. Der Kloß im Hals war etwas dick. Ich grüßte noch einmal. Wie sag ich ihr was ich nicht weiß – was ich hier mit ihr mache? Warum ich nicht wie früher einfach über´s Leben lache.

    Es ist, ich fang mal damit an, ein unbestimmtes flirren. Als würden siebzehn Schmetterlinge durch die Zimmer schwirren. Als galoppiert ein schwarzes Ross mit silberblonden Haaren. Als kommen Fische mit dem Rad zum essen angefahren. Als spielt Musik im Osten mir, doch ich hör sie im Westen. Als wär die Welt ein Strandhotel mit völlig irren Gästen.

    Sie sagt: „ich bin sehr überrascht und gar nicht angetan. Ich fange jetzt, oder auch nicht, ein neues Leben an.“

    Ich beiß mir leise auf die Lippen. Das was ich fühle ist egal. Ich höre ihre Stimme so zum allerersten Mal. Doch was hab ich von ihr gewollt? Was habe ich erwartet? Bin ohne Ziel und ohne Sinn in ihre Welt gestartet.

    Mein silberblondes Pferd kommt an. Der Falter Flügel summen. Die Fische schreien mir ins Ohr – die Stummen. Ich schließe meine Augen und ich sehe ihr Gesicht. Nein, ich bin ganz sicher! Liebe ist das nicht…

    LadyMarguerite / Website (12.9.07 11:12)
    “all in green went my love riding on a great horse of gold into the silver dawn – four lean hounds crouched low and smiling
    my heart fell dead before.” … e.e. cummings

    FrauvonWelt / Website (12.9.07 18:31)
    Meine Herren, meine Dame,
    es scheint, es gibt allerorten nur noch Pferde. Hier wie dort galloppert man durchs Gehölz und lässt die Mähnen und sonst was wehen. Dr. Briskoll ist irr geworden in Anbetracht von Frl. Nühms Pferdephantasien, glaubt sich nun selbst ein Pferd und trabt schenkelklopfend durch die Forensik. Derweil wird Herr Schoss zum Pferdepflüsterer und Vertriebsbeauftragter für Pferdewaschmaschinen, die wiederum von Frl. Nühm gleich ausprobiert werden, was zum Verschwinden ihres Gaules führt.
    Und während nun meine Protagonistin da oben übelste Mordpläne schmiedet, hör ich sie auch hier traben, die toten Pferdchen. Liebe Sonnensohle, springen Sie auf und jagen Sie weiterhin Ihrer Traumkatjahandy hinterher. Egal wie, egal ob Liebe oder sonst was, es wird geheiratet, Ettore und ich wollen schließlich feiern, Negersause auf Lampedusa. Die werden sie ja wohl wegen ein paar verwirrter Gefühle nicht sausen lassen. Dann lernen Sie aber meine Protagonistin mal kennen. Ran an den Speck, wie meine Mutter zu sagen pflegt. Titten auf den Tisch, um mal wieder Herrn Schneck zu zitieren. Oder Butter auf den Tisch, womit wir wieder bei Herrn Schoss wären.

    FrauvonWelt / Website (12.9.07 18:32)

    Mein lieber Goggi, auch Sie hatten ja unlängst Bekanntschaft mit einem Pferdchen gemacht. Wie geht es denn den Wunden? Soll ich mir mal den Salzstreuer der lieben Lady M. leihen. Sie ist in solchen Dingen sehr großzügig, mitfühlend sowieso. Was die Pläne meiner Protagonistin anbelangt, werden Sie verstehen, das ich hier nicht so offen darüber plaudern kann, schließlich geht es da um Dinge, die nicht mit einem Pferdebiss zu vergleichen sind, sondern ein bisschen toter machen.

    Eintotespferdmiemend
    FrauvonWelt

    FrauvonWelt / Website (12.9.07 20:36)
    Er jetzt auch noch.
    Normal ist das nicht. Das ist nicht normal.
    Hier nicht, dort nicht. Ich nicht.
    Und Ihr schon mal gar nicht.
    Wieher.

    schneck06 / Website (12.9.07 23:49)
    also erstmal, liebe frau frauvonwelt, BUTTER AUF DEN TISCH, das ist schon ganz schön groß vom herrn schoss! da kommt erstmal garnix und dann vielleicht irgendwann “mutter bei die fische”, wenn man bisschen zeit hat beim rückwärtsgehen jedenfalls. und dann noch ‘busfahrer’? wissen sie eigentlich, daß das mein ganz geheimes persönliches pseudonym beim supergeheim-bloggen und anonymrauchen ist? muß ich mich um mich sorgen? ich tauch wohl mal lieber ab vorm finale! ihr BVGschneck

    Goggi / Website (12.9.07 23:58)
    Schreiben Sie mir doch persönlich FrauvonMail :-)

    Ettore Schmitz / Website (13.9.07 11:09)
    Essen die in Paderborn eigentlich auch so gerne Pferde wie in Solingen? Das wärs, was man ja mal wissen möchte, bevor man mit Herrn Heino gemeinsam in sicherlicher Bälde ins Gras beisst. In unseren Regionen sind ja Pferde als Futtermittel nahezu verpönt, während zum Beispiel das bundesnachbarländliche Kaiserslautern angeblich überfüllartig platzt vor Pferdemetzgereien. Ich selber habe ja, soweit mir bekannt wurde, noch kein Pferd gegessen; was Hund, Katze und so kleinere Haustiere betrifft, kann man sich ja nicht so sicher sein, wenn man in der heutigen Gastronautik auch nur peripher unterwegs ist.
    Wenn man reiten könnte wären, Pferde aber sicher interessant, auch für mich als eingefleischtem Nichtreiter sozusagen, Schifahren kann ich aber erst recht nicht, wobei mich imer wundert, warum mein Lieblingstier seit jeher der Elefant ist, obwohl man den ja auch reiten kann, ich ja aber bekanntermaßen nicht. Ich würde ja einem Pferd, sollte ich mich überhaupt durch allseitiges Abspriessen (z.B. mittels fahrbarer Gerüste, wie sie durch Menschen am Bau gerne Verwendung heischen) lange genug “on top” halten können, dann dem armen Tier wegen seiner verfluchten Schlingerei voraussichtlich pfeilgrad zwischen die Schulterblätter kotzen. Und da, muß ich sagen, hätte ja auch wieder für mich mein Elefant die besseren Voraussetzungen, man muß sich zumindest nicht so haarklein konzentrieren, weil der Platz zwischen den Schulterblättern deutlich…

    Kuhtreiberische Herzensgrüße
    liebe FrauvonWelt von Ihrem
    Pamir Mahatma Schmitz

    Anna / Website (14.9.07 00:38)
    Verehrte FrauvonWelt,

    ich habe dieser Tage ein grottenschlechtes Timing, entweder bin ich viel zu früh oder viel zu spät.
    Vor allem zu spät! Jetzt ist dieses herrliche Pferdchen hier schon mehr als zugeritten, da kann ich jetzt fast nichts mehr beisteuern!
    Zu meiner Entschuldigung, ich war etwas… abgelenkt.. weil ich.. nun.. äh.. ja.. abgelenkt war.
    Vor allem wegen einer… Ablenkung.

    Mir hat Ihre Geschichte aber sehr gut gefallen, wenngleich Sie sehr viele gruselige Wörter eingebaut haben: Spinnen! Und Busfahrer! Und dann noch in der Kombination: Spinne AUF Busfahrer.
    Ich habe, seitdem ich hier las, eine zentimeterdicke Gänsehaut und das ist jetzt ein Kompliment!

    Interessant fand ich aber auch “Butter auf dem Tisch”. Von wem war das noch gleich?

    Abgelenkt aber sehr herzlich
    Fräulein Anna Nuehm

    Ettore Schmitz / Website (14.9.07 10:40)
    Kleiner Einwurf, damit das vom(?) Tisch ist, das hat des Ex-Schwedenscheff Persson zu Protokall gegeben:

    Helmut Kohl soll Butter pur gegessen haben!
    Der ehemalige Regierungschef Schwedens, Göran Persson, hat in einem TV-Interview gesagt, Kohl habe bei einem Arbeitsessen zur Einführung des Euro “massenweise” Butter pur gegessen um sich zu beruhigen.
    Kohl sei während eines Essens merklich angespannt gewesen, setzte sich und begann dann Butter zu essen. Zunächst soll er einen Teller mit zehn Stückchen (je zehn Gramm) gegessen haben, der aber “schnell weg” war, so Persson.
    Erst nach einem weiteren Teller Butter beruhigte sich Kohl.

    Soweit dies.
    Wo wirs schon überall gelesen haben? Ohje. Der arme Kohl.

    Butterfahrer Schmitz

    Ettore Schmitz / Website (14.9.07 10:42)
    das hat des Ex-Schwedenscheff Persson zu Protokall

    Okay. Ich leg mich wieder ab.
    Schmatz

    FrauvonWelt / Website (14.9.07 22:34)
    Werter Herr Lehrer Schneck, bei dem ganzen Gespruchs hier, da fiel mir plötzlich ein, wo Sie den Ihren zuerst brachten: auf dem Mars. Fast zeitgleich fiel mir ein die Frage: Was macht eigentlich mein Marsabitur? Sind die Ferien bald vorbei? Oder dauern die noch weitere drei Monate? Ich will ja nicht behaupten, dass ich hier so langsam verblöde, nein, gewiss nicht, ganz bestimmt nicht, überhaupt nicht, aber so ein bisschen Stoff für’s Hirn wär mal wieder nett.

    Büchersuchend
    FrauvonWelt

    FrauvonWelt / Website (14.9.07 23:02)
    Lieber Ettore, bevor Sie ins Gras oder noch schlimmer ins Pferd beißen, lade ich Sie besser zu einer meiner ganz großen Spezialitäten ein: Schweinefilet in Pumpernickelkruste.

    Wir umländischen Paderborner essen keine wiehernden Tiere. Ich kann diese Viecher auch sonst nicht leiden, was aber mit einem traumatischen Kindheitserlebnis zusammen hängt: Urlaub auf dem Reiterhof. Ich war ungefähr zehn, vielleicht auch jünger. Es war die Hölle.

    Das Pony, auf dem ich ritt, hat den Urlaub auch nicht überlebt. Es war pechschwarz, es war klein, es hieß Mücke. Es hat manchmal ein bisschen gehustet. Ich hatte es irgendwie gern. Verdammt gern. War irgendwie genauso anders wie ich. Hab ich mir zumindest eingebildet. Eines Morgens war es nicht mehr da. Ich stand im Stall, schaute in die leere Box und hinter mir sagte jemand: “Den haben se zum Schlachter gebracht! Kannst heute auf Max reiten.”
    Sonst nichts. Keine Erklärung, keine tröstenden Worte, keine Berühung. Da stand ich und schwor mir: Nie wieder werde ich auf einem Pferd reiten!

    Kleine Mädchen machen sowas wahr. Große auch fast alles.

    Herzlich
    Ihre FrauvonWelt

    schneck06 / Website (15.9.07 00:24)
    liebe frau frauvonwelt, habe die fragen soeben wohlwollend formuliert. erbitte exakte antworten. währenddessen bitte das hamburger ‘du’. das war immer so. ich drücke die daumen und entwerfe/plane derweil eine großplastik (silberbronze) mit namen: “die rosinen des urheberrechtsgrauens”. aufauf: ihr schneck

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