Auf der Suche nach der verlorenen Gesundheit | Hatschi
Verfasst von frauvonwelt am Oktober 9, 2007
Wenn FrauvonWelt krank ist, vollzieht sich das immer in genau sieben Phasen.
Zuerst spürt sie den Angriff von Wesen aus einer anderen Welt, nennen wir sie kleine Swanns. Diese Swanns sind schlichtweg schlecht erzogen. Kleine, widerliche, nervende Quälgeister, die überall da auftauchen, vor allem dann auftauchen, wenn man sie gerade am wenigstens braucht. FrauvonWelt wehrt sich mit Nahrungsverweigerung, Temperaturerhöhung, Totstellen – nützt meist alles nichts.
Nach den ersten Abwehrversuchen folgt Phase zwei. Da liegt sie dann, benommen, müde, im Schatten ihrer Mädchenblüte. Sie sieht ihre Jugend, ihre Schönheit, ihr Leben schwinden, will nur noch sterben. Schmerzen in Gelenken, Ohren, Nacken, Kopf und Rücken erinnern sie daran, dass sie noch lebt.
Darauf folgt der Eintritt in die Welt der Vergessenen. Bekannte und einst vertraute Personen werden nicht mehr erkannt. Alt und krank liegt sie danieder, will niemanden sehen, niemanden hören, niemanden kennen. Sprachstörungen, Hörverlust, mitunter auch Haarausfall sind die Kennzeichen dieser Phase.
Dann beginnt das Grauen: Sodom und Gomorra. Fieberstürme rasen, Schweiß strömt, gleißende Hitze und eisige Kälte nehmen Besitz von der ständig zitternden Hülle. Die Wahrnehmung ist auf ein Minimum reduziert. Atem und Herzschlag auch. Diese Phase dauert ungefähr 195 Jahre.
Nachdem Sodom und Gomorra durchlitten wurden, ist Schwäche der ständige Bettgeselle. Die Füße sind in Ketten gelegt, können nicht laufen. Fraglich, ob sie es je wieder können wollen. Wasser und Brot sind die einzigen Nahrungsmittel. Es ist die Phase der Gefangenschaft. Sie dauert lange.
Nach ungefähr sechs Menschenleben kommen erste Fluchtgedanken. Die Wahrnehmung funktioniert wieder leidlich. Leise Geräusche dringen in die nicht mehr geschwollene Hörmuschel, die Augen nehmen wieder Tageslicht wahr, der Geruch der Bettdecke fördert zudem den Gedanken an Flucht. Auf erste Gehversuche folgen weitere. Der Kühlschrank lockt.
Am Kühlschrank angelangt, findet sie sich wieder, die verlorene Gesundheit. In Sekundenschnelle werden die drei verlorenen Kilo wieder drauf geschafft. Die Dusche wäscht die letzten Spuren der Schlacht vom neu geborenen Leib und weckt Kräfte nie gekannten Ausmaßes. Vor Kraft strotzend könnte sich FrauvonWelt an ihren Schreibtisch setzen und einen siebenbändigen Roman schreiben. Hatschi.
Dieser Eintrag wurde erstellt am Oktober 9, 2007 um 12:00 und ist abgelegt unter Alltagswelt, Krankheiten von Welt. Verschlagwortet mit : Angriff, Fieber, Gefangenschaft, Gesundheit, kleine Swanns, Proust, Schmerzen, Schreiben, sieben Phasen, Sodom und Gomorra, Suche. Du kannst alle Antworten auf diesen Eintrag mitverfolgen über den RSS 2.0 Feed. Du kannst einen Kommentar hinterlassen, oder Trackback von deiner eigenen Seite.

frauvonwelt sagte
LadyMarguerite / Website (9.10.07 12:33)
Gesundheit.
Phil / Website (9.10.07 12:54)
195 Jahre war sie krank,
jetzt lebt’se wieder, Gott sei Dank!
500seiten / Website (9.10.07 13:26)
und, fertig?
(7 Bd.)
FrauvonWelt / Website (9.10.07 13:34)
Ich danke, liebe Lady M. Jetzt geht es mir schon viel besser.
Ja, werter Herr Phil, ich danke ihm auch, meinem ganz persönlichen Gesundmachgott. Keiner kocht den Tee so wie er.
Fast, werter 500Beine, fast. Ich bin schon auf Seite zwei.
Anna / Website (9.10.07 13:52)
Liebe FrauvonWelt,
ich bin bestürzt, dass Sie so krank danieder lagen! Hätten Sie doch nur eher Bescheid gesagt.
Aber zum Glück sehe ich Ihre Gesundung förmlich aus allen Ihren Buchstaben strotzen. Und Seite zwei!
Wenn das mal kein Bestseller wird!
Gesundheit und herzlich,
Anna Nuehm
FrauvonWelt / Website (9.10.07 14:27)
Liebe Frau Anna,
mein Bescheidröcheln hätten Sie nie und nimmer im Saarland vernommen haben wollen. Der Feierlichkeiten wegen. Aber bewahren Sie Ihre Schwesterntracht ruhig auf, ich werde bestimmt bald mal wieder etwas schwächeln (auf Seite vier oder so), dann dürfen Sie…
Ebenso herzlich
Ihre FrauvonWelt
Sonnensohle (9.10.07 15:35)
Herzlichen Glückwunsch zur Auferstehung, liebe FrauvonWelt. Ihre Krankengeschichte auf dem leicht gelblichen Hintergrund* hier wirkt dadurch irgendwie noch authentischer.
*Vor ein paar Tagen sah ich hier einen leichten Nebel vor der Morgensonne. Nur war es ganz still dabei.
Ein freudiges Hatschi zurück!
Sonnesohle
Erdge Schoss / Website (9.10.07 16:09)
Liebe FrauvonWelt, zuerst einmal herzlichen Glückwunsch zur Genesung. Sie ahnen nicht, wie sehr mich das freut.
Dessen ungeachtet habe ich Ihre diversen Leben flott aus dem Handgelenk nachgerechnet. Als sie die ersten Symptome bemerkten, standen die Türken vor Wien. Das war 1683. Ungefähr zum Start von Sodom und Gomorrha erfanden Fardely und Morse – tipptickeditippdi – die Telegraphie und … Was ich mich frage: Was sagt da Ihr mintgrüner Arbeitgeber dazu, auch und gerade angesichts des bevorstehenden Weihnachtsgeschäfts?
Herzlich
Ihr Erdge SChoss
FrauvonWelt / Website (9.10.07 17:48)
Danke, werte Sonnensohle, für die guten Wünsche und das Hatschi. Aber venedische Tode stirbt man zum Glück nicht in Berlin. Und hier in Wiesbaden auch nicht. Hintergrund hin oder her. Schieben wir die Nebel fort und lassen die Sonnen wieder lachen.
Herzlich und strahlend
Ihre FrauvonWelt
FrauvonWelt / Website (9.10.07 20:49)
Doch, lieber Herr Schoss, ich habe eine Ahnung von Ihrer Freude. Ich kann Sie fast spüren.
Ihre Rechenkünste sind allerdings weniger Anlass zur Freude. Da ist Ihnen ein kleiner Fehler unterlaufen: als die Türkler vor Wien, da war schon Sodom und Gomorra… aber egal. Was ich mich frage: Wieso wissen Sie nicht, dass mein mintgrüner Arbeitgeber längst Geschichte ist, der Job übrigens auch? Sie werden mir doch nicht untreu?
Allerherzlichst
Ihre FrauvonWelt
Sonnensohle (10.10.07 00:18)
Liebe FrauvonWelt, Sie haben mich mit Ihrer Steintoten übrigens vollständig verhaftet. Können Sie das nicht, da Sie ja jetzt wieder auf dem Dampfer sind, büttebüttebütte fortschreiben?!! In meinem Kopf knipsen&kichern japanische Touristen, weht der Schnee über ihren Kopf und hinter ihrem Rücken jagt sich Maillol eine Kugel in den Kopf…
Da haben Sie vielleicht was angerichtet.
verzweifelt
Sonnensohle
FrauvonWelt / Website (10.10.07 09:19)
Erstaunlich, liebe Sonnensohle, ich hatte die gleiche Idee. Scheint, ich muss das tun. (Ich weiß bloß nicht wann.)
Auf der Suche nach Zeit
Ihre FrauvonWelt
Sonnensohle (10.10.07 09:30)
…Zeit ist doch relativ, verehrte FrauvonEinstein. Da ich mit Lichtgeschwindigkeit durch die Welt rase sehe ich Sie ja quasi schon schreiben. Nur noch online stellen.
geschrumpft
Ihre Sonnensohle
Erdge Schoss / Website (10.10.07 10:24)
Wie, liebe FrauvonWelt, wunderbar. Aber kann es sein, dass ich vor lauter Begisterung über Ihre frischlackierten Fingernägel das fehlende mintgrün nicht bemerkte? Ich kann’s kaum glauben. Anders gefragt: Sie aber sind sich sicher, nicht mehr parfumeur bestallt zu sein? Und was die Rechenkünste anbelangt, alles eine Frage der Perspektive.
Herzlich
Ihr Erdge Schoss
Pfeilschnell, der Codegnom zischt SNESS …
FrauvonWelt / Website (10.10.07 13:27)
Das mit der relativen Zeit, liebe Sonnensohle, gilt ja immer nur für den Beobachter. Wen man hingegen mittendrin kann geraten dann durcheinander mal alles schon. Sehen Sie… und wenn Sie mich schon schreiben sehen, dann ist da was ganz schön durcheinander gewirbelt bei Ihnen.
Machen Sie langsam
Ihre FrauvonWelt
FrauvonWelt / Website (10.10.07 13:29)
Ihre Begeisterung, lieber Herr Schoss, ich kann’s auch kaum glauben. Anders gesagt: Ich bin ganz sicher. Mit der Perspektive sowieso.
Herzlich
Ihre FrauvonWelt
Sonnensohle (10.10.07 14:12)
Liebe FrauvonRowling, verdammt ich finde die Bremse nicht. Auf Ihrem Schreibtisch, immer noch der aus Glas, liegt bereits Band 7 ganz oben auf. Fleißig, fleißig!
Wenn Sie außerdem irgendwelche Fragen zu Ihrer Zukunft haben fragen Sie ruhig.
gesprächig
Ihre Sonnensohle
FrauvonWelt / Website (10.10.07 17:21)
Liebe Sonnensohle, woher wissen Sie um meinen Glasschreibtisch?
Staunend
Ihre FrauvonWelt
Sonnensohle (10.10.07 21:36)
…ich seh Sie, liebe FrauvonWelt, an einem Glastisch sitzen. Ich seh Sie übertrieben schwitzen beim Textverkehr mit Fingerspitzen und die Gemüter sich erhitzen, wenn FrauvonWelt´s Gedanken blitzen. So seh´n beim schreiben sie die Beine, wahrscheinlich ganz besonders feine, und ganz besonders kleine feine.
verzwirbelt
Ihre Sonnensohle
FrauvonWelt / Website (11.10.07 10:49)
Liebe Sonnensohle,
her mit meiner Zukunft. Ich will alles wissen.
Vor allem: Wieso hab ich kleine Beine?
Gespannt
FrauvonWelt
Sonnensohle (14.10.07 08:49)
Liebe FrauvonWelt, wieso denn Sie? Der Tisch! Und Ihre Zukunft sieht in jedem Fall rosig aus. Glaube ich. Rosig.
weiterreisend
Ihre Sonnensohle