- FrauvonWelt hat keinen Fernseher.
- FrauvonWelt war am 25. Mai 1983 beim Champions League Finale Juventus Turin gegen HSV in Athen. Natürlich weiß FrauvonWelt, wer wann das Tor geschossen hat.
- FrauvonWelt kann kaltes Wasser nicht leiden. Nicht mal zum Zähneputzen.
- FrauvonWelt kam im Alter von 5 Jahren in den Turnverein, mit 16 hörte sie auf mit den Verrenkungen. Aber Vereinsmitglied ist sie immer noch. Sie hat sogar die silberne Vereinsnadel für 25-jährige Mitgliedschaft.
- FrauvonWelt war mal im Tennisverein, aber nicht lange.
- FrauvonWelt hat mal geraucht. Lange.
- FrauvonWelt liebt Spiegeleier, wenn sie von beiden Seiten gebraten sind.
- FrauvonWelt liebt heute wie damals Southern Comfort.
- FrauvonWelt braucht zum Frühstück schwarzen Kaffee und Croissants.
- FrauvonWelts erster Freund war Maurer. Irgendwann war die Mauer zwischen Ihnen zu hoch.
- FrauvonWelts erster Kinofilm hieß „Frankenstein“. Sie hat die ganze Zeit unterm Sitz gesessen.
- FrauvonWelt kann Telefonieren nicht leiden. Tut es aber unentwegt.
- FrauvonWelt hat ihre erste Pizza in der Türkei gegessen. Pizza Hut in Bursa. Die Verzweiflung war groß.
- FrauvonWelt stand mit zwölf Jahren auf dem Eiffelturm und hat ihr Leben geplant.
- FrauvonWelt hatte schon mal Kopfläuse.
- FrauvonWelt hat sich schon immer die Beine rasiert.
- FrauvonWelt hätte gerne zwei Kinder und einen Mann mit dunklen Locken.
- FrauvonWelt hat früher viel gemalt. Sogar manch einen Wettbewerb gewonnen.
- Das schönste Kompliment bekam FrauvonWelt von einer Frau.
- FrauvonWelt hat schon mal eine Frau geküsst.
- FrauvonWelt mag stürmisches Wetter, Steilküsten und Naturgewalten.
- FrauvonWelt kann unerträglich stur sein.
- FrauvonWelt durchschaut ihr Gegenüber fast immer.
- FrauvonWelt hat ungefähr 195 Parfümflaschen im Bad.
- FrauvonWelt hat mal ihren Deutschlehrer geküsst und ihn dann stehen lassen.
- FrauvonWelt hatte mal ein ziemlich langes Gespräch mit einem Mann, den man beschuldigte, eine Frau vergewaltigt zu haben. Sie ist heute noch überzeugt davon, dass er es nicht war. Er hat trotzdem gesessen.
- FrauvonWelt liebt ihr Fitness-Studio und ihren Trainer sowieso. Hach, dieser Body.
- FrauvonWelt kann es nicht leiden, wenn ihr BH nicht zum Slip passt.
- FrauvonWelt ist mit 14 das erste Mal Motorrad gefahren und hat sich fürchterlich auf’s Maul gelegt. Natürlich ohne Helm.
- FrauvonWelt konnte man als kleines Kind stundenlang irgendwo sitzen lassen, sie kam nie auf die Idee wegzukrabbeln. Sie hat nur dagesessen und mit ihren großen Augen die Welt betrachtet. Auch heute noch eine ihrer Lieblingsbeschäftigungen.
- FrauvonWelt hatte im Alter von fünf Jahren eine Impf-Polio und war hüftabwärts gelähmt.
- FrauvonWelt hat sich damals geschworen, nie wieder ein Krankenhaus zu brauchen. Bis heute hat sie das geschafft.
- FrauvonWelt war mal in Las Vegas und hat gemerkt, sie wäre dort hoffnungslos verloren. Spielkind.
Archiv für die Kategorie ‘Freundinnenwelt’
Susi
Verfasst von Mama am Januar 3, 2008
28 Jahre alt, ledig, schwanger, blond.
Abinote 1,3. Der Vater Anwalt, die Mutter zu Hause. Wohnhaft in Frankfurt. Zwei jüngere Brüder, die endlos nerven.
„Du studierst Jura!“, hat der Vater irgendwann kategorisch festgelegt. Und Susi studierte Jura. Kurz. Dann packte sie die Koffer und ging. Weg von ihrem Vater, ihrer Mutter, ihren nervenden Brüdern. Eine WG in Wiesbaden fing sie auf. Chaos total. Keine Möbel, kein Geld, kein Job, nur diese endlos langen blonden Haare und den vielleicht knackigsten Hintern des Universums. Sie aber wollte es schaffen: Sie schnitt sich die Haare ab. Anschießend sah sie aus, wie alle Frauen aussehen, die sich innerhalb weniger Schockminuten emanzipieren.
Susi hatte ein Einsehen und ging zum nächstbesten Frisör. Der nächstbeste war aber auch zugleich der beste der Stadt. Clemens, der Frisör in hautengen Stretchhosen, wies sie auf ihren Platz und kümmerte sich rührend um das Häufen Elend, das nun vor ihm saß. „Das kriegen wir schon wieder hin.“, säuselte er ihrem Spiegelbild entgegen.
Eine Stunde später war sich Susi sicher, dass sie die Frau im Spiegel nie zuvor in ihrem Leben gesehen hatte. „Wow, bin ich das?“
„Oui, madame, ganz neuer Look, bisschen asymmetrisch, aber sehr feminin. Gefällt es Ihnen?“ Clemens war ein Künstler.
„Gefallen? Das ist fantastisch.“ Susi wäre ihm vor Begeisterung fast um den Hals gefallen.
„CLEMENS? Kommst Du bitte mal?“ dröhnte es sichtlich genervt aus der hinteren Ecke des Salons.
„Ah, Madame du Monde, bin sofort bei dir, Schätzchen, muss eben noch kassieren.“ Clemens wandte sich Susi zu, wurde aber sofort wieder lautstark in die hintere Ecke gezogen.
„NEIN, Du kommst jetzt sofort, sonst brüll ich den Laden hier zu Schrott.“ FrauvonWelt war offensichtlich nicht in bester Laune.
„Sie entschuldigen mich kurz?“ warf Clemens in Susis Richtung und machte sich auf den Weg.
„Aber meine Liebe, was ist denn passiert?“, versuchte er zu beruhigen.
„Nichts ist passiert. Die Welt geht unter. Das heißt, ich! Guck dir das mal an.“ Während FrauvonWelt das sagte, zog sie mit beiden Händen ihre Haare an die Salondecke. Im satten Schwarz leuchteten verboten einige orangefarbene Strähnen.
„Das sieht fürchterlich aus. Du hast recht. Wer hat diese Strähnchen verbrochen?“ Clemens hatte sofort ein Einsehen. Jetzt noch einmal färben ging nicht. Dann hatte er die rettende Idee. Er winkte Susi zu sich heran.
Susi stolzierte erhobenen Hauptes durch den Salon in Richtung keifender Schnepfe. Die beiden Mädels schauten sich giftig an.
Clemens erkannte die Zickenkriegsgefahr sofort, zog Susi auf den Stuhl neben FrauvonWelt und sagte zu eben der: „Schau dir das an. Das machen wir mit dir auch!“
FrauvonWelts braune Rehaugen verwandelten sich in schwarze Stieraugen. „Was machen wir? Ich will nicht blond werden.“
Clemens holte tief Luft: „Okay Süße, pass auf, du wirst nicht blond, deine Farbe ist schwarz, aber schau dir den Schnitt an, der würde dir auch stehen, und dann hätten wir das Problem mit den Strähnen wenigstens halbwegs im Griff. Nächste Woche können wir dann die Farbe ändern.“
FrauvonWelt schaute Susi an. Susi schaute FrauvonWelt an. Es dauerte eine Weile, dann lächelte zumindest Susi.
„Dreh dich mal.“, forderte FrauvonWelt Susi auf.
Susi ließ den Stuhl einmal rotieren und legte anschließend das gleiche zuckersüße Lächeln auf wie zuvor.
FrauvonWelt musterte Susi von oben bis unten, betrachtete lange ihre Schuhe, überlegte und sagte dann: „Okay, wir machen das. Aber ich zahl keinen Pfennig.“
Clemens sank vor Erleichterung gen Boden. Die Freude, seine beste und auch wichtigste Kundin gerettet zu haben, ließ ihm die Knie weich werden.
„Dann zahl ich aber auch nichts!“, hatte Susi die Situation blitzschnell begriffen.
Clemens auch: „Mädels, ihr macht mich wahnsinnig.“
„Wieso?“ stießen Susi und FrauvonWelt unisono hervor.
Dieses WIESO war der Beginn einer wunderbaren Freundschaft. Eine halbe Stunde später verließen die beiden Grazien mit den gleichen Frisuren, die eine blond, die andere schwarz mit noch orangefarbenen Strähnen, den Wiesbadener Starcoiffeur ohne einen Pfennig bezahlen zu müssen. Clemens hingegen hatte an diesem Abend eine Mitarbeiterin weniger und einige graue Haare mehr.
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Ein Junge! Ein Mann!
Verfasst von Mama am November 25, 2007
Jetzt ist es unverkennbar: ein Junge! Susi wedelt freudestrahlend mit dem neuesten Ultraschallbildchen herum und hüpft durch FrauvonWelts Küche.
„Susi, zeig mal her! Hmm, jaha, nenee, ich kann nichts erkennen.“ FrauvonWelt dreht das Bild in alle Richtungen.
„Egal, ich auch nicht. Ich hab es ja von Anfang an gewusst.“, grinst Susi.
„Am Anfang, meine Liebe, hast Du gar nichts gewusst. Wenn ich dich mal daran erinnern darf.“
„Ach, nun hör schon auf. Fang nicht schon wieder mit der Geschichte an.“
„Wieso? Die Geschichte ist doch schön.“
Susi lässt sich erschöpft in den rosa Plüschsessel fallen, dreht die Augen in Richtung Wölkchenhimmel und schwebt auf Wolke sieben davon. FrauvonWelts Worte „Denkst du oft an ihn?“ verhallen im Dampf des Wasserkochers. Sie gießt den Tee auf – Brennnesseltee. Und als ihr der zarte Duft in die Nase steigt, wird sie ein wenig nachdenklich: Wie das wohl ist, wenn man schwanger ist? Ob ich jemals Kinder haben werde? So eine richtige Familie? Mit Glück und Tannenbaum und Schulferien? Mit Haus und Hof und Familienauto vor der Haustür? Ein Mann fürs Leben? So für immer? Für den Rest des Lebens? Immer der selbe? Jeden Tag? Dreißig, vierzig, fünfzig oder gar sechzig Jahre. Nur ein Mann? Bis das der Tod uns scheidet?
„… Krankenwagen bestellen!“
„Was, was ist los?“ ruft FrauvonWelt sich hastig nach Susi umdrehend.
„Wenn Du nicht langsam mal den Tee…“
„Geht es Dir gut? Alles in Ordnung mit dir?“
„Jaha, alles in Ordnung. Bis auf den Tee. Den hätte ich jetzt gerne.“
„Ja, der Tee.“ FrauvonWelt lächelt entspannt, stellt die Kanne auf den Tisch und legt sanft eine Hand auf Susis Bauch. „Jag mir doch nicht so einen Schrecken ein. Ich hab schon gedacht…“
„Dass du gedacht hast, hab ich gesehen. An was hast du denn gedacht?“, will Susi wissen.
„Ach, weißt du, manchmal…“, mehr brachte FrauvonWelt jetzt nicht hervor.
„Ja, ich weiß schon.“, sagte Susi und wischte ihrer besten Freundin eine Träne von der Wange. „Ja, ich weiß.“
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Spaghetti carbonara
Verfasst von Mama am August 5, 2007
Susi will essen. Sie ist kugelrundschwanger und will nur noch essen. Am liebsten Spaghetti. Mit allem. Also hat FrauvonWelt eingeladen und kocht. Tini hat sich gleich mit eingeladen und fuchtelt die ganze Zeit nur an Susis Bauch rum. Spürst Du schon wie’s strampelt? Hat es auch manchmal einen Schluckauf? Ist es eigentlich ein Mädchen oder ein Junge? Hast Du gar keine Angst vor der Geburt?
Hier Tini, mach mal den Sekt auf. Susi setz mal Wasser auf und stell die Schüssel in den Backofen zum Aufwärmen. FrauvonWelt schneidet derweil den weltbesten, weil westfälischen Speck in kleine Würfel. Knoblauch wird geschält und auch winzig geschnippelt. Öl in die Pfanne, erst den Speck hinter her, etwas später den Knoblauch. Leicht knusprig werden lassen. Spaghetti kochen nicht vergessen. Und zwischendrin, ganz wichtig: Anstoßen. Worauf? Auf das kleine Strampelding in Susis Bauch.
Schüssel aus dem Backofen. Sahne hinein, drei Eier hinein, geriebener Pecorino hinein. Rühren, rühren, rühren. Spaghetti abgießen und zusammen mit den heißen Speckwürfelchen auch hinein in die große Schüssel. Pfeffern, noch mal rühren. Zwei Teller, einen für Tini, einen für FrauvonWelt. Susi kriegt die Schüssel. Auf das Strampelding. Prost und Guten Appetit!
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Mai Tai für kleine Mädchen
Verfasst von Mama am Juli 20, 2007
In Mainz geht man jetzt ins Sausalitos. FrauvonWelt auch. In geheimer Mission mit Ulla. Ulla ist dreifache Mutter und trotzdem immer (noch) gut drauf. Wenn sie rausgehen will, drückt sie ihrem Daheimgebliebenen kurzerhand die drei Rotzlöffel in den Arm, dreht sich auf dem Absatz um, winkt noch fröhlich und wünscht allen einen schönen Abend. Vornehmlich aber sich selbst.
Im Sausalitos gibt es den besten Mai Tai der Stadt. Ulla bestellt ohne zu zögern zwei. FrauvonWelt, immerhin ihr KfZ im nahegelegenen Parkhaus stehen habend, lächelt der Bedienung noch die Worte „aber bitte für kleine Mädchen“ zu. Die grinst und macht sich an die Arbeit. Anders als gewollt. Der erste Mai Tai löst eine saharaähnliche Hitzewallung bei FrauvonWelt aus. Schweißperlen rinnen ins Dekolleté.
Ulla erzählt vom geplanten Urlaub. Drei Wochen Thailand mit drei Kids. Dann erzählt sie von ihrem Mann und wird dabei etwas leiser. Man hat halt keine Zeit mehr füreinander. Die Kinder sind immer da. Und wenn sie nicht da sind, sind sie im Kopf. Oder die Arbeit muss erledigt werden. Der Haushalt. Die viele Wäsche. Und an alle Termine müsse sie denken. Hier Geburtstag, dort Geburtstag. Ständig irgendwelche Elternabende. Undundund… Dann bestellt sie noch zwei Mai Tai.
FrauvonWelts Einwand kommt zu spät. So kennt sie Ulla nicht. Ulla stöhnt das altbekannte Hausfrau-Mutter-Ehefrau-Lied und das nicht mal besonders gut. Die Mai Tais hingegen sind schweinelecker. FrauvonWelt denkt schon nicht mehr an ihr Voiture und stochert selig beschwingt das gecrashte Eis in ihrem Glas umher. Sie versucht das Thema auf etwas anderes zu lenken, zum Beispiel auf den lateinamerikanischen Superboy, der es sich da hinten auf der riesigen Holzschaukel bequem gemacht hat. Ullas Augen verdoppeln sofort das Volumen und signalisieren der Bedienung, dass sie noch mal nachlegen dürfe.
FrauvonWelt ist das inzwischen schon völlig egal. Sie blickt in Richtung Schaukel und langsam verschwimmen die Umrisse des Latinoboys im trüben Schummerlicht und formen sich zu einer achsovertrauten Silhouette: Ettore. Da sitzt er, ganz der Grinsschmitz, Suppenkelle in der einen, Gurkenglas in der anderen Hand. Ullas Wortfetzen dringen immer seltener zu FrauvonWelt durch, längst schon lauscht sie Ettores Sirenengesang. Sanft umschmeicheln seine Worte ihre Sinne. Sie will zu ihm, will seine Nähe. Wieder rinnt der Schweiß. Dann fällt sie von Stuhl.
Ulla stoppt ihren Redeschwall und erkundigt sich blöde stierend nach dem Befinden.
Alles okay, gibt FrauvonWelt wankend zur Antwort während sie wieder auf ihren Stuhl krabbelt. Ihr Blick bleibt sofort an der Schaukel haften: leer.
Wo ist er hin?
Wer?
Na er?
Ach so. Na der ist da hinten, bei dem Blondchen gelandet.
FrauvonWelt entdeckt den Latinoboy Schulter an Schulter mit irgendeinem Nichts.
Aua.
Hast du dir doch weh getan?
Nein, oder doch, ach, was weiß denn ich. Komm, wir fahren nach Hause.
Ulla winkt die Bedienung herbei.
Acht Mai Tai. Macht 64 Euro.
Das war es wert, denkt sich FrauvonWelt, und steuert fidel ihr Auto und Ulla nach Hause.
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Im Schatten der Sterne
Verfasst von Mama am Juni 5, 2007
Die Nacht war empfindungslos. Mächtige Wolken nehmen dem Mond das Licht und zu dem Geschehen in den Straßenschluchten der Metropole gesellt sich die ewig dem Bösen verbundene Dunkelheit. FrauvonWelt zieht den Reißverschluss ihrer Jacke hoch, als der hinter ihr heranschleichende Schatten schon ihre Knöchel umfasst. Nur wenige Sekunden später schiebt sich eine kalte, an den Rändern grün phosphorisierende Hand auf ihre Schulter. Eisesblitze zucken durch ihren Körper, sie fährt herum, schreit, schreit noch lauter, schlägt nach der Phosphorhand, will wegrennen, doch die Hand krallt sich in ihren Oberarm. FrauvonWelt tritt zu, doch ihr Knie zerschellt am stahlgehärteten Oberschenkel des übermächtigen Angreifers. Im Schmerz merkt sie, dass eigentlich nur sie es ist, die da so rumzappelt. Sie hält inne, befreit mit einer Hand ihr Gesicht von der wildzottelnden Haarmähne und schaut ihrem Feind direkt in die Augen.
„Ettore, DU? Willst du mich umbringen?“
„Nein, das machst du gerade schon selbst.“
„Und was bitte soll dieser Überfall hier?“
„Ich bin nur hier, um dich zu beschützen.“
„Ach so geht das heute. Au, mein Knie.“
„Komm, zeig mal her. Hm, sieht übel aus, kannst du damit laufen?“
„Nie wieder.“
„Okay, ich trag dich.“
FrauvonWelt schwingt sich in die nun dunkelrot leuchtenden Arme ihres Beschützers und lässt sich in die Ungewissheit leiten, die ganz typischerweise den Träumen junger Mädchen anhaftet.
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Dunkle Gestalten
Verfasst von Mama am Mai 28, 2007
Berlin also. FrauvonWelt und Susi haben die Metropole erreicht. Alles ist nass. Die Hauptstadt trieft. Kreuzbergs Straßen ein Grau. Die beiden stürzen in den Würgeengel, der zu dieser frühen Stunde erst spärlich besucht ist. Der Tisch rechts vom Tresen empfängt sie träge. Susi lässt sich auf einen Stuhl fallen. Hier hat er gesessen, erklärt sie wortkarg und wird im gleichen Moment totenbleich.
„Susi? Was ist los? He, Bedienung, kann ich mal schnell ein Glas Wasser haben?“
Die Bedienung kommt gerannt und bringt das rettende Elixier. „Hier, trink! Und du leg ihr die Füße hoch. Ja, ja, das kenn ich. Der Kreislauf. Schon nen Schwangerschaftstest gemacht, Kleine? Was habt ihr denn für ne Tour hinter euch. Du bist ja völlig fertig.“
FrauvonWelt findet ein paar erklärende Worte, von wegen langer Autofahrt und Wetterumschwung und so. Aber die Bedienung ist eindeutig nicht von gestern. Sie kennt die Menschen, die hier reinkommen. Ihre Augen schauen tief. All die Gesichter mit all den Geschichten dahinter, sie kennt sie.
Susi kommt wieder zurück ins Leben und braucht jetzt was zu essen. Der große Tapasteller macht sie wieder gesprächig. Sie winkt die Bedienung zu sich. Dann erzählt sie ihr die ganze Tragödie. Die muss erst einmal lachen.
Das ist nicht euer Ernst? Du hattest einen One-Night-Stand in Berlin und suchst nun diesen Typen. Ach, Herzchen, hast du ne Ahnung wie viele Typen es in Berlin gibt? Hast du ne Ahnung, was in den Nächten dieser Stadt passiert? Wie viele verlorene Seelen hier gezeugt werden? In dieser Stadt kannst du nichts gewinnen. Vergiss den Typen, der dir dieses Kind gemacht hat. Fahrt wieder nach Hause.“
Susi, die gerade die letzte getrocknete Tomate vertilgt hat, sieht die Dinge allerdings ganz anders: „Ich denke überhaupt nicht daran. Ich will den Vater meines Kindes finden. Und ich weiß, ich werde ihn finden. Ich werde diese ganze verdammte Scheißstadt nach ihm absuchen. Ich werde jeden einzelnen Scheißtypen auf der Straße anquatschen und ihn fragen, ob er einen Künstler aus Schöneberg kennt. Ich suche ihn übers Radio und von mir aus auch übers Fernsehen. Ich will ihn finden. Und wenn es das letzte ist, was ich tue.“
Die Bedienung legt beide Hände auf Susis Schultern und fleht Beruhigung herbei. „Setzt dich wieder hin, Mädchen. Und dann wiederhol mal, was du da eben gesagt hast. Künstler aus Schöneberg? Hab ich da richtig gehört?“
„Ja, in seiner Bude standen zig Bilder rum. Er musste eine Ausstellung vorbereiten oder so was. Er hat viel erzählt von…“
„Unser Schneckchen“, fällt ihr die Bedienung ins Wort, „du hast dir tatsächlich unser Schneckchen geangelt. Das glaub ich ja nicht.“
„Du kennst ihn?“ Susi springt auf, wird aber sofort wieder von den freundlichen Händen auf ihren Stuhl gedrückt.
„Ja, ich kenne ihn. Den kennt hier inzwischen jeder. Umso erstaunlicher, dass er sich hier n Mädel aufreißt, aber nun gut, du bist nicht von hier, wahrscheinlich hat er gedacht, er sieht dich nie wieder. Er war schon seit drei Wochen nicht mehr hier. Wahrscheinlich die Arbeit. Er sagt, die Geschäfte laufen gut. Er steht wohl kurz vor dem großen Durchbruch. Na, da kann er so was jetzt super gebrauchen. Ach, Mädchen, und jetzt soll ich dir wohl sagen, wo er wohnt?“ Sie zögert, steht auf, kommt mit einem Stapel Postkarten zurück. „Hier, die sind von ihm. Da steht auch seine Adresse drauf.“
Susi nimmt die Postkarten. „Danke, vielen Dank. Wenn er nichts von mir und dem Kind will, ist auch okay, damit werde ich klar kommen. Er soll es nur wissen. Ich will auch kein Geld von ihm,“ Susi macht eine lange Pause, die Tränen stehen ihr in den Augen, „ich will eigentlich nur einen Vater für mein Kind.“
Dreizehn Minuten später stehen Susi und FrauvonWelt vor seiner Wohnungstür. Die Nacht ist dunkel, der Regen hat aufgehört und es liegt eine samtige Reinheit über der Stadt.
„Nun klingle schon!“
„Nein, ich trau mich nicht.“
„Los, mach schon, sonst klingle ich.“
„Nein, Finger weg, ich weiß doch gar nicht, was ich sagen soll.“
„Egal, das weißt du in zehn Minuten auch nicht. Lass es auf dich zukommen. Ich klingle jetzt.“
„NEIN, tu das nicht. Ich muss das machen.“
„Okay, dann los.“
„Ich trau mich nicht.“
„Gut, dann ich.“
„NEIIIIN!“
Die Tür geht auf.
„Kann ich euch beiden irgendwie helfen? Was soll denn bitte das Geschrei hier vor meiner… DU??!!…Was machst du denn hier? Meine Güte kommt rein.“
Susi macht ein paar Schritte nach vorn und im nächsten Augenblick liegen sich die beiden in den Armen und ihre Lippen kleben aneinander.
FrauvonWelt, der Überflüssigkeit anheim gegeben, zieht die Tür langsam zu und denkt sich, dann geh ich mir halt die Berliner Nacht mal alleine anschauen. Sie spaziert zum Bahnhof Südkreuz und weiß eigentlich gar nicht wohin, als plötzlich neben ihr eine riesige, bucklige Gestalt aus dem Dunkel auftaucht.
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Samuel ante portas
Verfasst von Mama am Mai 21, 2007
Ich schaff das nicht. Leise kamen diese Worte über seine Lippen. Er berührte sie ein letztes Mal fast unmerklich an der Schulter, dann nahm er seine Tasche und ging. Seit dem rinnen Sturzbäche aus Susis Augen.
Er ist einfach gegangen, schluchzte sie ins Telefon.
Okay, hab schon verstanden, bin gleich da.
FrauvonWelt als ultimativ beste Freundin sitzt zehn Minuten später neben dem, was früher einmal Susi war und muss dank ihrer emphatischen Ader gleich Mitheulen. Außer Wasser ist aus Susi gerade nichts heraus zu bringen, weswegen FrauvonWelt erst nach einer halben Stunde erfährt, was nun schon wieder geschehen ist bei ihrer Katastrophenfreundin. Nachdem diese sich wieder unter Kontrolle hat, sprudelt sie los. Von Samuel, wie er sich bereit erklärt hat, trotz des Kindes von einem fremden Mann bei ihr zu bleiben, wie er ihr geschworen hat, dass sie es zusammen schaffen werden, wie er die Hand auf ihren Bauch gelegt hat und meinte, er könnte schon was spüren, und wie er manchmal nachts ganz allein in der dunklen Küche saß und nichts tat, wie zögerlich er sie in den letzten Tagen in den Arm nahm, wie er abends einfach weg blieb ohne eine Nachricht. Bis heute, als er schweigend seine Sachen packte und dann sagte: Ich schaff das nicht.
FrauvonWelt blickt Susi an, Susi blickt FrauvonWelt an: Kommst du mit mir nach Berlin?
FrauvonWelt bittet um eine Wiederholung der Frage.
Kommst du mit mir nach Berlin?
Nach Berlin? Berlin macht schwanger. Jetzt ist sie völlig durchgeknallt, denkt FrauvonWelt, oder die Hormone, oder was auch immer. Nach Berlin? Den Vater suchen? Wie soll denn das funktionieren? Du kennst ihn nicht. Du weißt nicht, wo er wohnt. Du weißt nicht einmal, wie er heißt. Du weißt nichts, nichts, nichts. Wie willst Du so jemanden in Berlin finden?
Susi lässt sich nicht abbringen. Sie will nach Berlin. Mit oder ohne Freundin. Egal. Das Kind hat einen Vater und der soll das gefälligst auch wissen. Irgendwie wird sie ihn schon finden. Sie geht einfach dahin, wo sie ihn kennengelernt hat.
Och, Susi, nee, das ist totaler Schwachsinn. Komm, wir reden Morgen darüber. Wenn ich dir diese bekloppte Idee nicht ausreden kann, dann fahre ich halt mit, sonst kommst du wieder und kriegst zwei Kinder.
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Karussell fahren
Verfasst von Mama am Mai 10, 2007
Endlich wieder Erdnüsse. Tini saß mit drei Dosen Erdnüssen auf Susis Sofa. Wenn es Probleme gab, gab es bei Tini immer Erdnüsse. Sie wollte sie eigentlich Susi schenken, doch Susi kann keine Erdnüsse mehr leiden. Jetzt in ihrem Zustand kann sie fast nichts mehr leiden, am wenigsten sich selbst.
Tini und FrauvonWelt bemühen sich, doch mit Susi ist derzeit nichts anzufangen. Erst Hü dann Hott, eben Heulen jetzt Lachen. Nichts ist richtig, alles läuft falsch. Und sie fühlt sich so ausgedehnt wie zwei Öltanks, dabei ist sie erst in der siebten Woche.
Morgen kommt Samuel zurück, dann will sie ihm alles erzählen, oder doch nichts erzählen, oder irgendwas erzählen. Sie weiß es nicht. Sie weiß nichts. Und sie weiß vor allem nicht, wer der Vater ist. Sie könnte Samuel freudestrahlend von der Schwangerschaft erzählen, er würde ihr einen Heiratsantrag machen und das Schloss im siebten Himmel buchen. Doch irgendwann würde der Kuckuck Flügel bekommen. Nein, die Sache mit dem Kuckucksei, dazu war Susi nicht fähig. Aber was dann? Die Wahrheit? Was war die Wahrheit. Wo war sie? Irgendwo in Berlin, das Wochenende war kurz, die Party lang, und dann war da dieser Typ, dieses Lächeln, sie haben getanzt, gelacht, er hat mit den Fingern ganz sanft über ihre Wangen gestreichelt, dann ist es passiert. Es ist einfach so passiert, wie es halt passiert, wenn man mal für einen kurzen Moment das Leben laufen lässt, wenn man das Karussell nicht anhalten kann oder will, die Augenblicke zu schön, als dass man noch an Morgen denken könnte.
Jetzt war Morgen. Und ihr kotzübel.
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