FrauvonWelt war am 25. Mai 1983 beim Champions League Finale Juventus Turin gegen HSV in Athen. Natürlich weiß FrauvonWelt, wer wann das Tor geschossen hat.
FrauvonWelt kann kaltes Wasser nicht leiden. Nicht mal zum Zähneputzen.
FrauvonWelt kam im Alter von 5 Jahren in den Turnverein, mit 16 hörte sie auf mit den Verrenkungen. Aber Vereinsmitglied ist sie immer noch. Sie hat sogar die silberne Vereinsnadel für 25-jährige Mitgliedschaft.
FrauvonWelt war mal im Tennisverein, aber nicht lange.
FrauvonWelt hat mal geraucht. Lange.
FrauvonWelt liebt Spiegeleier, wenn sie von beiden Seiten gebraten sind.
FrauvonWelt liebt heute wie damals Southern Comfort.
FrauvonWelt braucht zum Frühstück schwarzen Kaffee und Croissants.
FrauvonWelts erster Freund war Maurer. Irgendwann war die Mauer zwischen Ihnen zu hoch.
FrauvonWelts erster Kinofilm hieß „Frankenstein“. Sie hat die ganze Zeit unterm Sitz gesessen.
FrauvonWelt kann Telefonieren nicht leiden. Tut es aber unentwegt.
FrauvonWelt hat ihre erste Pizza in der Türkei gegessen. Pizza Hut in Bursa. Die Verzweiflung war groß.
FrauvonWelt stand mit zwölf Jahren auf dem Eiffelturm und hat ihr Leben geplant.
FrauvonWelt hatte schon mal Kopfläuse.
FrauvonWelt hat sich schon immer die Beine rasiert.
FrauvonWelt hätte gerne zwei Kinder und einen Mann mit dunklen Locken.
FrauvonWelt hat früher viel gemalt. Sogar manch einen Wettbewerb gewonnen.
Das schönste Kompliment bekam FrauvonWelt von einer Frau.
FrauvonWelt hat schon mal eine Frau geküsst.
FrauvonWelt mag stürmisches Wetter, Steilküsten und Naturgewalten.
FrauvonWelt kann unerträglich stur sein.
FrauvonWelt durchschaut ihr Gegenüber fast immer.
FrauvonWelt hat ungefähr 195 Parfümflaschen im Bad.
FrauvonWelt hat mal ihren Deutschlehrer geküsst und ihn dann stehen lassen.
FrauvonWelt hatte mal ein ziemlich langes Gespräch mit einem Mann, den man beschuldigte, eine Frau vergewaltigt zu haben. Sie ist heute noch überzeugt davon, dass er es nicht war. Er hat trotzdem gesessen.
FrauvonWelt liebt ihr Fitness-Studio und ihren Trainer sowieso. Hach, dieser Body.
FrauvonWelt kann es nicht leiden, wenn ihr BH nicht zum Slip passt.
FrauvonWelt ist mit 14 das erste Mal Motorrad gefahren und hat sich fürchterlich auf’s Maul gelegt. Natürlich ohne Helm.
FrauvonWelt konnte man als kleines Kind stundenlang irgendwo sitzen lassen, sie kam nie auf die Idee wegzukrabbeln. Sie hat nur dagesessen und mit ihren großen Augen die Welt betrachtet. Auch heute noch eine ihrer Lieblingsbeschäftigungen.
FrauvonWelt hatte im Alter von fünf Jahren eine Impf-Polio und war hüftabwärts gelähmt.
FrauvonWelt hat sich damals geschworen, nie wieder ein Krankenhaus zu brauchen. Bis heute hat sie das geschafft.
FrauvonWelt war mal in Las Vegas und hat gemerkt, sie wäre dort hoffnungslos verloren. Spielkind.
Nun fliegst du davon in ein Land weit, weit entfernt. Seit der Sekunde, da dir Flügel wuchsen und du leise Lebwohl sagtest, male ich dir dieses Land. Es ist hell, es ist warm und es lacht. Überall stehen rosa Plüschsessel und überall gibt es Himbeereis. Ja, es ist mein Paradies. Ich wünsche es dir.
Aber deiner Frau, die ich hier in diesem kalten, verregneten Land, auf diesem kalten, verseuchten Planeten in den Armen halte, die sich an mich klammert mit den Worten “Es tut so weh, es tut so weh!”, der kann ich nichts geben, keine Worte, keine Taten, nichts. Es ist alles nichts. Weil alles nicht hilft, den Schmerz zu lindern. Worte fallen wie Steine in einen leeren Brunnen. Der Aufschlag hallt durch die Leere. Schmerzt. Nur schweigend erträgt man das bleierne Zeitenband. Die Zukunft eine schwarze Wand, die alles Lachen erstickt, alles Licht verschluckt. Es ist alles nichts. “Es tut so weh, es tut so weh!”
Wenn du die Plüschsessel anders stellen möchtest, dann bitte, es ist jetzt dein Land. Es ist alles warm, es ist alles hell, es gibt kein Leid und keine Schmerzen mehr. Du hast es geschafft, bist am Ziel deiner Reise. In einem Land weit, weit entfernt.
Allen Zweiflern sei es nun einmal ganz klipp und klar gesagt: FrauvonWelt ist in der Südsee. Südsee ist nämlich überall, wenn man nur will. Eigentlich muss man sich nur auf den Kopf stellen, schon ist Süden, eigentlich muss man nur die Füße in n Eimer Wasser stecken, schon ist warmes Meer. Das ganze natürlich gleichzeitig. Wer dieses Südseefeeling noch nicht kennt, ist selber schuld.
Während ihres Südseeaufenthalts war FrauvonWelt auch auf diversen Partys. Hervorzuheben ist davon aber nur eine: Die Geburtstagsparty ihres ehemals besten Freundes. Das ist der, der so schrecklich gelacht hat, als unsere rotbebrillte FrauvonWelt vor die Glasscheibe gerannt ist.
EbF (ehemalsbesterFreund) wollte, jetzt im vornehmen Alter angekommen, mal etwas schicker feiern und lud in eine neue Lokation, die sich die Erhaltung und Förderung besonderer Künstlerseelen in den Schaukasten geschrieben hat. Das war ein Fest! Sackzement. FrauvonWelt auf nagelneuen Achtzentimetern tanzte über das hochglanzpolierte Eichenparkett, dass selbst ihr ehemals bester Freund Anstrengungen unternahm wieder ihr bester Freund zu werden. Vergebens. Wegen der Glasscheibe.
Anders die Anstrengungen einer blonden Erscheinung, deren Schuhe nicht weniger hoch, deren Blick nicht weniger durchdringend, deren Lächeln nicht weniger….???? FrauvonWelt wurde umtanzt. Von einer Frau. Und was für einer. Sackzement. Frauen haben seit je her eine sonderbare Wirkung auf FrauvonWelt, nämlich keine. Aber diese Frau war anders. Diese war wie sie. Nur eben anders. Nur blond. Sie tanzten. Sie lachten. Sie tranken Wein. Ihre Blicken kreuzten sich und wenn zwei Seelen keine Worte brauchten, dann waren es diese beiden. Sie verließen die Party gemeinsam.
Eigentlich muss man sich nur auf den Kopf stellen, schon ist Süden, eigentlich muss man nur die Füße in n Eimer Wasser stecken, schon ist warmes Meer. Das ganze natürlich gleichzeitig. Wer dieses Südseefeeling noch nicht kennt, ist selber schuld. Noch Zweifel?
Antonia zieht nach München. Ilka und FrauvonWelt hinterher. Samstags, frühmorgens, mit Kaffee und Croissants im Magen, trägt sie der Asphalt ins Land der Bajuwaren. Antonias neue Wohnung ist himmelschreiend - oder entzückend, wie FrauvonWelt bei totaler Begeisterung zu sagen pflegt. Wenn nur dieses Durcheinander nicht wäre: diese meterhohen Kisten, diese Möbel kreuz und quer und diese IKEA-Kartonagen. Aber nein, es fehlte keine Schraube, kein Imbus, kein Garnichts – nicht mal ein Akkuschrauber war da. Nach zwei Stunden und fünf Kaffeestückchen stand das Monstrum.
Ein Zimmer der Wohnung wurde zur vorläufigen Rumpelkammer, die alle Kartons schlucken musste, erklärt. Wie ein Trickfilm im Schnelldurchlauf rannten die Mädels durch die Hallen und stellten alles an seinen Platz. Nach weiteren drei Stunden waren die Räumlichkeiten bewohnbar. Abends dann Spaghetti alle vongole. Antonias italienische Mama, die ebenfalls zugegen war, vollbrachte Meisterleistungen trotz fehlender Töpfe und Pfannen.
Sonntag Kirchgang. Beten und Büßen. Wer ohne Sünde war, traf sich auf dem sonnengetränkten Balkon zum Frühstück. Der blauweiße Himmel schaute neidvoll auf die frischen Backwaren, Alfonso aus dem Erdgeschoss auch. Ob die Damen am Mittag Lust hätten auf Fisch, die Frage. “Na klar, haben wir.”, war unisono die Antwort. Alfonso, der sich mit Antonia die Nationalität teilte, konnte ebenso gut kochen wie reden. Mit sechs Damen am Tisch, zwei davon seine, fühlte er sich wie die Kinder Israels.
Prosecco, Pasta, Scampi, gegrillte Dorade, Salate, Vino, Espresso und die köstlichste Ananas der nördlichen Hemisphäre – Alfonso schaffte sie alle sechs. Die Damen schleppten sich auf die Liegestühle, er schaute zufrieden in den Himmel, strich sich über sein wohlgerundetes Bäuchlein und fragte, ob er noch irgend jemandem etwas anbieten könne. Die Antwort verstarb auf dem Weg zu seinen Ohren.
Eine Stunde später waren FrauvonWelt und Ilka wieder bewegungsfähig und dachten sich nach Hause. Eine weitere Stunde später flogen sie dann wirklich. Schöan wars.
So lauteten die tröstenden Worten ihres einst besten Freundes. Kein gebratenes Ei, kein heißer Tee, nein, nur diese Worte. Und das, wo sie doch immer noch leicht angeschlagen durch diese Welt spazierte. Zwar hatte sie ihre Sehfähigkeit wieder erlangt, doch das reichte in der heranschleichenden Dämmerung, mit der sich dieser Tag verabschieden wollte, scheinbar nicht aus.
Was war passiert? FrauvonWelt ist er unsinnigsten Erfindung der Welt näher gekommen. Sehr nahe. Schmerzhaft nahe. Die unsinnigste Erfindung der Welt ist die seitliche Abgrenzung einer Terrasse durch eine Glasfront. So etwas tut man einfach nicht. Man kann doch da keine Glaswand aufbauen, wenn dort Personenverkehr herrscht. Zumal ein Weg dort entlang führt. Und dann das. Mitten auf dem Weg plötzlich eine Glaswand. Den ganzen Tag lang war dort keine Glaswand. Auf einmal setzt die Dämmerung ein und die Glaswand steht da. Da muss man doch zumindest diese blöden Vögel draufkleben, damit man sieht, dass da was ist. Aber nein, keine Vögel. Nur diese Glaswand. Und FrauvonWelt. Sie hatte es eilig.
Die Begegnung war niederschmetternd. Für FrauvonWelt. Eisbeutel türmen sich jetzt auf ihrer Stirn. Darunter das Matterhorn in grün.