Verfasst von frauvonwelt am Januar 11, 2008
- FrauvonWelt hat keinen Fernseher.
- FrauvonWelt war am 25. Mai 1983 beim Champions League Finale Juventus Turin gegen HSV in Athen. Natürlich weiß FrauvonWelt, wer wann das Tor geschossen hat.
- FrauvonWelt kann kaltes Wasser nicht leiden. Nicht mal zum Zähneputzen.
- FrauvonWelt kam im Alter von 5 Jahren in den Turnverein, mit 16 hörte sie auf mit den Verrenkungen. Aber Vereinsmitglied ist sie immer noch. Sie hat sogar die silberne Vereinsnadel für 25-jährige Mitgliedschaft.
- FrauvonWelt war mal im Tennisverein, aber nicht lange.
- FrauvonWelt hat mal geraucht. Lange.
- FrauvonWelt liebt Spiegeleier, wenn sie von beiden Seiten gebraten sind.
- FrauvonWelt liebt heute wie damals Southern Comfort.
- FrauvonWelt braucht zum Frühstück schwarzen Kaffee und Croissants.
- FrauvonWelts erster Freund war Maurer. Irgendwann war die Mauer zwischen Ihnen zu hoch.
- FrauvonWelts erster Kinofilm hieß „Frankenstein“. Sie hat die ganze Zeit unterm Sitz gesessen.
- FrauvonWelt kann Telefonieren nicht leiden. Tut es aber unentwegt.
- FrauvonWelt hat ihre erste Pizza in der Türkei gegessen. Pizza Hut in Bursa. Die Verzweiflung war groß.
- FrauvonWelt stand mit zwölf Jahren auf dem Eiffelturm und hat ihr Leben geplant.
- FrauvonWelt hatte schon mal Kopfläuse.
- FrauvonWelt hat sich schon immer die Beine rasiert.
- FrauvonWelt hätte gerne zwei Kinder und einen Mann mit dunklen Locken.
- FrauvonWelt hat früher viel gemalt. Sogar manch einen Wettbewerb gewonnen.
- Das schönste Kompliment bekam FrauvonWelt von einer Frau.
- FrauvonWelt hat schon mal eine Frau geküsst.
- FrauvonWelt mag stürmisches Wetter, Steilküsten und Naturgewalten.
- FrauvonWelt kann unerträglich stur sein.
- FrauvonWelt durchschaut ihr Gegenüber fast immer.
- FrauvonWelt hat ungefähr 195 Parfümflaschen im Bad.
- FrauvonWelt hat mal ihren Deutschlehrer geküsst und ihn dann stehen lassen.
- FrauvonWelt hatte mal ein ziemlich langes Gespräch mit einem Mann, den man beschuldigte, eine Frau vergewaltigt zu haben. Sie ist heute noch überzeugt davon, dass er es nicht war. Er hat trotzdem gesessen.
- FrauvonWelt liebt ihr Fitness-Studio und ihren Trainer sowieso. Hach, dieser Body.
- FrauvonWelt kann es nicht leiden, wenn ihr BH nicht zum Slip passt.
- FrauvonWelt ist mit 14 das erste Mal Motorrad gefahren und hat sich fürchterlich auf’s Maul gelegt. Natürlich ohne Helm.
- FrauvonWelt konnte man als kleines Kind stundenlang irgendwo sitzen lassen, sie kam nie auf die Idee wegzukrabbeln. Sie hat nur dagesessen und mit ihren großen Augen die Welt betrachtet. Auch heute noch eine ihrer Lieblingsbeschäftigungen.
- FrauvonWelt hatte im Alter von fünf Jahren eine Impf-Polio und war hüftabwärts gelähmt.
- FrauvonWelt hat sich damals geschworen, nie wieder ein Krankenhaus zu brauchen. Bis heute hat sie das geschafft.
- FrauvonWelt war mal in Las Vegas und hat gemerkt, sie wäre dort hoffnungslos verloren. Spielkind.
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Verfasst von frauvonwelt am November 17, 2007
Ich erinnere mich an die dunklen Straßen. An den matt beleuchteten Hauseingang, in dem sie auf dich gewartet hat. Die Begrüßung nur kurz. Du nahmst sie im Arm, schautest dich um. Wusstest um eure Verfolgerin. Ich sah euch so zum ersten Mal, und ich sollte euch so sehen. Die Inszenierung war schlecht, aber wirksam. Ich kannte den Weg, den ihr gehen würdet. Ich kannte euer Ziel. Du wusstest, der Schatten da hinten an der Hauswand war ich. Er kam, er verschwand, er folgte. Unablässig, längst wissend, was kommt, längst wissend, dass du weißt, dass ich weiß, und doch – ich folgte euch. Der Schmerz trieb mit gierigem Verlangen meine Schritte in eure Richtung. Der Wind zerrte an mir, als wolle er mich festhalten, dann wieder schob er mich vorwärts. Drei Figuren – ein Spiel.
Unweit einer Straßenlaterne bliebt ihr stehen. Eine Umarmung, ein inniger Kuss. Durch die Dunkelheit spürte ich deine Blicke, sie suchten mich. Fanden nichts. Es war der Moment, in dem die Schwärze der Nacht sich meiner Seele bemächtigte. Ohne einen Laut schrie ich die Hölle in die endlosen Straßen. Meine Hände krallten sich in die spitzen Ästen der Büsche, die mir Schutz seien sollten, doch jetzt meine Peiniger wurden. Das Blut war kalt. Ich schaute auf meine Hände, spürte nichts. Eine riesige Leere hatte mich gefangen genommen. Ich war allein. Ging durch mein Leben, als gehörte es nicht mehr mir. Die Straßen zogen mich an unsichtbaren Fäden durch ihre Endlosigkeit. Verloren. Dich.
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Verfasst von frauvonwelt am November 15, 2007
Ich erinnere mich an die Fußgängerzone, die vor unserem Haus gebaut wurde. Ewige Zeiten Baustelle. Ein idealer Spielplatz. Du warst meine beste Freundin. Immer. Wir fuhren zusammen auf diesem kleinen Fahrrad mit den dicken Rollerreifen. Dein Vater hat es extra für uns gebaut. Wir fuhren immer zu zweit. Entweder saß einer auf dem Lenker oder stand hinten auf den Fußstützen. Wir lachten. Man kannte uns in unserem Städtchen. Uns gab es nur im Doppelpack. Die Stadt gehörte uns. So glaubten wir. Kein Baum den wir nicht erkletterten, kein verfallenes Haus, in das wir nicht einzogen. Keine Eissorte, die wir nicht probiert hätten. Keinen Kiosk, den wir nicht leer gekauft hätten. Irgendwann haben wir meine Spardose geplündert. Das ganze Geld mangels Behältnis vorne in die Tasche meines grünen Kleidchens gesteckt. Hat das geklimpert. Das Kleid ging mir dann vorne bis zu den Knien. Waren eh zu kurz die Dinger. Meine Mutter hat es gesehen und wurde neugierig. Dabei hatten wir noch nicht einmal die Hälfte des Geldes zum Bäcker, zur Eisdiele und zum Kiosk getragen.
Das alte, verfallene Kino hatte zu viele undichte Stellen. Durch ein Fenster kamen wir rein. Hunderte von Filmspulen lagen da rum. Wir wickelten alle ab. Sponnen ein Netz quer durch den großen Saal. Ob Sperrsitz, Loge oder Parkett, es wurde alles eingewickelt. Ein Kunstwerk, ewig unbekannt.
Bei der Fußgängerzonenbuddelei entdeckten sie einen alten Friedhof, direkt neben dem Rathaus. Rathaus auf altem Friedhof gebaut! Auf so eine Schlagzeile hat man gewartet. Gebeine und Totenköpfe kamen zum Vorschein. Das Gelände wurde abgesperrt. Nicht für uns. Wir buddelten wie blöd. Einen besonders gelungenen Schädel nahmen wir mit zu dir und brachten ihn auf Hochglanz. Im Keller fanden wir einen alten Stecken, da kam er drauf. In der Dunkelheit schlichen wir uns wieder an den Fundort. Der höchste Sandberg sollte ihm gehören. Dort sollte er thronen und die Gemeinde am Morgen begrüßen. Sein Foto kam in die Zeitung, wir auch, zwar als Unbekannte, aber man kannte uns in unserem Städtchen.
Als ich von der Lenkstange des Fahrrades fiel und mein Kopf gegen den Laternenpfahl knallte, ging ein Gong durch die Sommerluft, der die gesamte Stadt in Schwindel hüllte. In dem Moment war meine Zukunft besiegelt: Dachschaden forever. Du hast gelacht, dass sich die anderen Laternenpfähle auch noch bogen. Es dauerte etwas, bis ich mit einstimmte. Dann aber haben wir dieses ganze Städtchen in Schutt und Asche gelacht. Wir beide lagen auf dem Boden in der Fußgängerzone, Passanten lachten mit oder schüttelten die Köpfe.
Dieses Lachen von uns ist mir ewige Erinnerung. Denk ich an dich, und ich tue es oft, sehe ich uns lachen. Ich habe kein anderes Bild von dir als ein lachendes. Bis heute. Da bin ich wieder gegen diesen Laternenpfahl geknallt. Als meine Mutter anrief und mir von Deiner Krankheit erzählte, wurde es dunkel. Du hast Krebs.
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