FrauvonWelt

Die Welt von einem rosa Plüschsessel aus betrachtet.

Mit ‘Berlin’ verschlagwortete Einträge

Eine Nacht mit Schneck

Verfasst von Mama am Januar 24, 2008

„Susi? Willst Du den Film noch zuende gucken?“
„Nee, ich bin schon eingeschlafen.“
„Willste noch nen Tee?“
„Gute Idee. Haste auch noch was zu essen? Ich hab Hunger.“
FrauvonWelt schmiss die Fernbedienung ins Kissen und schlurfte in die Küche. Susi lag mit offenen Augen auf dem Sofa, eine Hand auf ihrem runden Bauch, die andere im Nacken zur Faust geballt. Warum…?
„Susi? Kekse oder Baumkuchen?“
„Beides.“
FrauvonWelt packte Teekanne und Tassen, Kekse und Baumkuchen auf das alte Silbertablett ihrer Oma, stellte es neben Susi auf den Tisch und sah die Tränen über Susis Wangen kullern.
„Oh nee, kriegst du jetzt wieder so einen sentimentalen Anfall?“
Susi versuchte ein wenig zu lachen: “Nein, war nur ein kurzer Anflug, ist schon vorbei.”
„Willst du mir eigentlich nicht mal erzählen, was damals passiert ist in der einen Nacht mit IHM?“ FrauvonWelt hatte schon so oft gedrängt, die Geschichte zu erfahren, doch Susi hatte immer geschwiegen.
„Ich kann das nicht erzählen, ich habe dafür keine Worte.“
„Versuch es. Sonst gibt es keine Kekse.“, droht FrauvonWelt.
„Ui, gleich die Höchststrafe?“
„Ja.“

Susi setzte sich auf und schwieg eine Weile. Dann fing sie an zu erzählen. Sie erzählte wie es damals war. In dieser einen Nacht in Berlin. Dieser einen Nacht mit Schneck.

Fortsetzung live am Samstag im Kurshaus.

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Suchbegriffebeantwortungsstunde (2): ohne anmeldung one night stand in berlin

Verfasst von Mama am Januar 3, 2008

Ohne Anmeldung? Wo gibt es denn so was? Da müssen Sie schon woanders, aber ganz woanders hin. Vielleicht Sinsheim oder Kiel oder so. Aber Berlin – nie im Leben. Da müssen Sie sich mindestens vier Wochen vorher bei der One-Night-Stand-Anmeldungs-und-Überwachungsbehörde (kurz: ONSAU) melden, nur 85 Formulare ausfüllen, in denen kaum intime Details erfragt werden, dann warten Sie auf Ihren Termin und Ihre ONSAU-Ablaufbeschreibung und dann, ja dann dürfen Sie. Am nächsten Morgen punkt 7 Uhr erscheinen Sie wieder bei der ONSAU, geben den 35seitigen Erfahrungsbericht ab und fertig. Ab nach Hause.

Für weiter Auskünfte und Prospektversand wenden Sie sich bitte vertrauensvoll an den Abteilungsleiter PLANUNG + TEST der ONSAU Herrn Erdge Schoss.

Gerne
Ihre FrauvonWelt

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Im Schatten der Sterne

Verfasst von Mama am Juni 5, 2007

Die Nacht war empfindungslos. Mächtige Wolken nehmen dem Mond das Licht und zu dem Geschehen in den Straßenschluchten der Metropole gesellt sich die ewig dem Bösen verbundene Dunkelheit. FrauvonWelt zieht den Reißverschluss ihrer Jacke hoch, als der hinter ihr heranschleichende Schatten schon ihre Knöchel umfasst. Nur wenige Sekunden später schiebt sich eine kalte, an den Rändern grün phosphorisierende Hand auf ihre Schulter. Eisesblitze zucken durch ihren Körper, sie fährt herum, schreit, schreit noch lauter, schlägt nach der Phosphorhand, will wegrennen, doch die Hand krallt sich in ihren Oberarm. FrauvonWelt tritt zu, doch ihr Knie zerschellt am stahlgehärteten Oberschenkel des übermächtigen Angreifers. Im Schmerz merkt sie, dass eigentlich nur sie es ist, die da so rumzappelt. Sie hält inne, befreit mit einer Hand ihr Gesicht von der wildzottelnden Haarmähne und schaut ihrem Feind direkt in die Augen.
„Ettore, DU? Willst du mich umbringen?“
„Nein, das machst du gerade schon selbst.“
„Und was bitte soll dieser Überfall hier?“
„Ich bin nur hier, um dich zu beschützen.“
„Ach so geht das heute. Au, mein Knie.“
„Komm, zeig mal her. Hm, sieht übel aus, kannst du damit laufen?“
„Nie wieder.“
„Okay, ich trag dich.“
FrauvonWelt schwingt sich in die nun dunkelrot leuchtenden Arme ihres Beschützers und lässt sich in die Ungewissheit leiten, die ganz typischerweise den Träumen junger Mädchen anhaftet.

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Dunkle Gestalten

Verfasst von Mama am Mai 28, 2007

Berlin also. FrauvonWelt und Susi haben die Metropole erreicht. Alles ist nass. Die Hauptstadt trieft. Kreuzbergs Straßen ein Grau. Die beiden stürzen in den Würgeengel, der zu dieser frühen Stunde erst spärlich besucht ist. Der Tisch rechts vom Tresen empfängt sie träge. Susi lässt sich auf einen Stuhl fallen. Hier hat er gesessen, erklärt sie wortkarg und wird im gleichen Moment totenbleich.
„Susi? Was ist los? He, Bedienung, kann ich mal schnell ein Glas Wasser haben?“
Die Bedienung kommt gerannt und bringt das rettende Elixier. „Hier, trink! Und du leg ihr die Füße hoch. Ja, ja, das kenn ich. Der Kreislauf. Schon nen Schwangerschaftstest gemacht, Kleine? Was habt ihr denn für ne Tour hinter euch. Du bist ja völlig fertig.“
FrauvonWelt findet ein paar erklärende Worte, von wegen langer Autofahrt und Wetterumschwung und so. Aber die Bedienung ist eindeutig nicht von gestern. Sie kennt die Menschen, die hier reinkommen. Ihre Augen schauen tief. All die Gesichter mit all den Geschichten dahinter, sie kennt sie.
Susi kommt wieder zurück ins Leben und braucht jetzt was zu essen. Der große Tapasteller macht sie wieder gesprächig. Sie winkt die Bedienung zu sich. Dann erzählt sie ihr die ganze Tragödie. Die muss erst einmal lachen.
Das ist nicht euer Ernst? Du hattest einen One-Night-Stand in Berlin und suchst nun diesen Typen. Ach, Herzchen, hast du ne Ahnung wie viele Typen es in Berlin gibt? Hast du ne Ahnung, was in den Nächten dieser Stadt passiert? Wie viele verlorene Seelen hier gezeugt werden? In dieser Stadt kannst du nichts gewinnen. Vergiss den Typen, der dir dieses Kind gemacht hat. Fahrt wieder nach Hause.“
Susi, die gerade die letzte getrocknete Tomate vertilgt hat, sieht die Dinge allerdings ganz anders: „Ich denke überhaupt nicht daran. Ich will den Vater meines Kindes finden. Und ich weiß, ich werde ihn finden. Ich werde diese ganze verdammte Scheißstadt nach ihm absuchen. Ich werde jeden einzelnen Scheißtypen auf der Straße anquatschen und ihn fragen, ob er einen Künstler aus Schöneberg kennt. Ich suche ihn übers Radio und von mir aus auch übers Fernsehen. Ich will ihn finden. Und wenn es das letzte ist, was ich tue.“

Die Bedienung legt beide Hände auf Susis Schultern und fleht Beruhigung herbei. „Setzt dich wieder hin, Mädchen. Und dann wiederhol mal, was du da eben gesagt hast. Künstler aus Schöneberg? Hab ich da richtig gehört?“
„Ja, in seiner Bude standen zig Bilder rum. Er musste eine Ausstellung vorbereiten oder so was. Er hat viel erzählt von…“
„Unser Schneckchen“, fällt ihr die Bedienung ins Wort, „du hast dir tatsächlich unser Schneckchen geangelt. Das glaub ich ja nicht.“
„Du kennst ihn?“ Susi springt auf, wird aber sofort wieder von den freundlichen Händen auf ihren Stuhl gedrückt.
„Ja, ich kenne ihn. Den kennt hier inzwischen jeder. Umso erstaunlicher, dass er sich hier n Mädel aufreißt, aber nun gut, du bist nicht von hier, wahrscheinlich hat er gedacht, er sieht dich nie wieder. Er war schon seit drei Wochen nicht mehr hier. Wahrscheinlich die Arbeit. Er sagt, die Geschäfte laufen gut. Er steht wohl kurz vor dem großen Durchbruch. Na, da kann er so was jetzt super gebrauchen. Ach, Mädchen, und jetzt soll ich dir wohl sagen, wo er wohnt?“ Sie zögert, steht auf, kommt mit einem Stapel Postkarten zurück. „Hier, die sind von ihm. Da steht auch seine Adresse drauf.“
Susi nimmt die Postkarten. „Danke, vielen Dank. Wenn er nichts von mir und dem Kind will, ist auch okay, damit werde ich klar kommen. Er soll es nur wissen. Ich will auch kein Geld von ihm,“ Susi macht eine lange Pause, die Tränen stehen ihr in den Augen, „ich will eigentlich nur einen Vater für mein Kind.“

Dreizehn Minuten später stehen Susi und FrauvonWelt vor seiner Wohnungstür. Die Nacht ist dunkel, der Regen hat aufgehört und es liegt eine samtige Reinheit über der Stadt.
„Nun klingle schon!“
„Nein, ich trau mich nicht.“
„Los, mach schon, sonst klingle ich.“
„Nein, Finger weg, ich weiß doch gar nicht, was ich sagen soll.“
„Egal, das weißt du in zehn Minuten auch nicht. Lass es auf dich zukommen. Ich klingle jetzt.“
„NEIN, tu das nicht. Ich muss das machen.“
„Okay, dann los.“
„Ich trau mich nicht.“
„Gut, dann ich.“
„NEIIIIN!“
Die Tür geht auf.
„Kann ich euch beiden irgendwie helfen? Was soll denn bitte das Geschrei hier vor meiner… DU??!!…Was machst du denn hier? Meine Güte kommt rein.“
Susi macht ein paar Schritte nach vorn und im nächsten Augenblick liegen sich die beiden in den Armen und ihre Lippen kleben aneinander.
FrauvonWelt, der Überflüssigkeit anheim gegeben, zieht die Tür langsam zu und denkt sich, dann geh ich mir halt die Berliner Nacht mal alleine anschauen. Sie spaziert zum Bahnhof Südkreuz und weiß eigentlich gar nicht wohin, als plötzlich neben ihr eine riesige, bucklige Gestalt aus dem Dunkel auftaucht.

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Samuel ante portas

Verfasst von Mama am Mai 21, 2007

Ich schaff das nicht. Leise kamen diese Worte über seine Lippen. Er berührte sie ein letztes Mal fast unmerklich an der Schulter, dann nahm er seine Tasche und ging. Seit dem rinnen Sturzbäche aus Susis Augen.
Er ist einfach gegangen, schluchzte sie ins Telefon.
Okay, hab schon verstanden, bin gleich da.
FrauvonWelt als ultimativ beste Freundin sitzt zehn Minuten später neben dem, was früher einmal Susi war und muss dank ihrer emphatischen Ader gleich Mitheulen. Außer Wasser ist aus Susi gerade nichts heraus zu bringen, weswegen FrauvonWelt erst nach einer halben Stunde erfährt, was nun schon wieder geschehen ist bei ihrer Katastrophenfreundin. Nachdem diese sich wieder unter Kontrolle hat, sprudelt sie los. Von Samuel, wie er sich bereit erklärt hat, trotz des Kindes von einem fremden Mann bei ihr zu bleiben, wie er ihr geschworen hat, dass sie es zusammen schaffen werden, wie er die Hand auf ihren Bauch gelegt hat und meinte, er könnte schon was spüren, und wie er manchmal nachts ganz allein in der dunklen Küche saß und nichts tat, wie zögerlich er sie in den letzten Tagen in den Arm nahm, wie er abends einfach weg blieb ohne eine Nachricht. Bis heute, als er schweigend seine Sachen packte und dann sagte: Ich schaff das nicht.

FrauvonWelt blickt Susi an, Susi blickt FrauvonWelt an: Kommst du mit mir nach Berlin?
FrauvonWelt bittet um eine Wiederholung der Frage.
Kommst du mit mir nach Berlin?
Nach Berlin? Berlin macht schwanger. Jetzt ist sie völlig durchgeknallt, denkt FrauvonWelt, oder die Hormone, oder was auch immer. Nach Berlin? Den Vater suchen? Wie soll denn das funktionieren? Du kennst ihn nicht. Du weißt nicht, wo er wohnt. Du weißt nicht einmal, wie er heißt. Du weißt nichts, nichts, nichts. Wie willst Du so jemanden in Berlin finden?
Susi lässt sich nicht abbringen. Sie will nach Berlin. Mit oder ohne Freundin. Egal. Das Kind hat einen Vater und der soll das gefälligst auch wissen. Irgendwie wird sie ihn schon finden. Sie geht einfach dahin, wo sie ihn kennengelernt hat.
Och, Susi, nee, das ist totaler Schwachsinn. Komm, wir reden Morgen darüber. Wenn ich dir diese bekloppte Idee nicht ausreden kann, dann fahre ich halt mit, sonst kommst du wieder und kriegst zwei Kinder.

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