FrauvonWelt

Die Welt von einem rosa Plüschsessel aus betrachtet.

Happy Birthday

Verfasst von frauvonwelt am Oktober 31, 2007

Eines Nachts stand es vor mir. Ein giftgrüne Blasen werfendes, sabberüberströmtes Testikelhochregal. Es begehrte Einlass in mein knochenschinkenumrahmtes Schwarzbrotuniversum. Er wurde gewährt. Das war der Anfang einer unbeschreiblichen Reise.

Seine Fähigkeiten waren und sind schier unglaublich. Vom Testikelhochregel, dem ich übrigens sehr schnell das Sabbern abgewöhnt hatte, verwandelte es sich nullkommagarnichts in einen Verbaltomatenvogelmann, der wiederum in der Lage ist durch radikales Loslassen von faszialen oder bindegewebeartigen Strukturen eine Entspannung der Hirn- und Rückenmarkshäute zu erreichen, was eine verbesserte Funktion des zentralen Nervensystems bewirkt und ihn vor langen Jahren schon zum Badischen Meister im Einzelsynchronschwimmen werden ließ. Die Pathologie rätselt bis heute. Nicht so ich.

Er ist kein Baumwurzelstolperer, dem beim gelegentlichen Wandeln im Walde einmal das Efoi um die Füsse wächst. So weit kommt es erst gar nicht. Zu schnell. Ein rechter synaptischer Hitzeblitz möchte man ausrufen, käme man überhaupt dazu. Denn schon schreit er es selbst in die Welt hinein: Ich bin die Wahrheit. Und das Wort. Hähä.

Manch einer mag sagen, er hat einen an der Waffel. Dem will man nicht widersprechen. Ist ja so. So schön. So schön wie der Nachthimmel aus Makadam mit seinem heimlichen Glitzern ganz tief in die virtuellen Welten hinein. Dort wo die Vorhänge flattern im hellen Wind und auf den Wellen kleine Lichter blitzen. Dort und nur dort. Hachja.

Ein Elefant, ein kopfloser Altritter, ein Trollinger in der Umkleidekabine. Ein Freund des Gartenteiches, Gebüschgurke oder Suppenkellenschwinger. Alles und nichts. Überall und immer gleichzeitig. So ist er. Nur leider wasserlöslich. Weswegen er auch schon mal sein nahes Ende voraussieht. Oioioioioi. Mai Tai getränkt oder wasserbetropft. So nicht. Ich weiß es besser. Ertrinken wird er – in einer richtigen Suppe. Aber vorher werden wir mal locker steinalt. Happy Birthday.

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Die Lesung (1): Wie alles begann

Verfasst von frauvonwelt am Oktober 29, 2007

Mit Hunger. FrauvonWelt wurde die Ehre zuteil, mit den beiden Autoren Ettore Schmitz und Erdge Schoss und einer kleinen Schar erlesener Gäste vorab zu speisen. Als Lokalität wurden die Zornheimer Weinstuben gewählt. Ein nettes, feines Häuschen mit einem köstlichen Holundersekt. Der Rest nicht minder appetitlich. Allein die alten Holztreppen und FrauvonWelts Aschenputtelschühchen, die vertrugen sich nicht. Ein Absacker, der viel zu früh kam. Alle drei überlebten. Holztreppe, Schuhe und Frau. Aber die Herren oben auf der Empore, die sind gestorben – vor Lachen Schreck.

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Kopflos

Verfasst von frauvonwelt am August 13, 2007

Die Zeiten waren andere. Dietrich von Hohenfels, berüchtigtster Raubritter von Burg Reichenstein, ritt aus, um zu tun, wozu er sich berufen fühlte. Er nahm, was ihm beliebte und tötete, was er hasste. All das tat er mit einem ständigen Grinsen im Gesicht. Selbst wenn er schlief, verschwand das Grinsen nicht aus seinem Gesicht. Das Blut seiner Opfer tränkt noch heute die Geschichten dieses Helden.

Eine jedoch ließ er leben: FrauvonWelt. Er raubte sie aus ihren Gemächern, nahm sie mit auf seine Burg und machte sie zur Burgherrin. Reichenstein wurde zur größten, schönsten und reichsten Burg des Landes. Neun Kinder, alles Jungen, wuchsen hinter den mächtigen Mauern heran. Ein Leben außerhalb gab es nicht für sie. Oft saßen sie auf den Mauern, schauten hinab auf den Rhein, mit seinen ewig unbezwingbaren Wassermassen. Sie schauten in den Himmel, sahen die Vögel, die ihnen Geschichten aus anderen Welten erzählten. Und sie sahen die Berge und Wälder, in denen sie so gerne gespielt hätten. Gefangen waren sie, gekettet an die Untaten ihres Vaters.

Dieser wurde seinen Ruf als mörderischer Raubritter nie los. Ständig versuchte man ihn und seine Familie auszulöschen. Zuviel Leid hatte er den Menschen angetan. Die Angriffe gegen ihn und die Burg wurden jedes Jahr schlimmer. Ein Verlassen der Burg war bald nicht mehr möglich. Wer es versuchte, fand sich schon bald an einem Baum hängend wieder. Als Dietrich von den Mannen des Königs gefasst wurde, ging ein seltsames Raunen durch den Felsen, auf dem Burg Reichenstein thronte. Der Himmel war schwarz. Der Tod war ihm nun sicher. Dietrich flehte nicht um sein Leben, jedoch um das seiner Söhne. Es sollte ihnen gewährt werden, so Dietrich es schaffe, mit abgeschlagenen Haupt an der Reihe seiner Söhne vorbei zu laufen. Der Kopf fiel und die Beine liefen.

Seine Söhne wuchsen heran. Seine FrauvonWelt war von diesem Tage an jedoch spurlos verschwunden. Niemand hat sie je wieder gesehen. Selbst ihr Leichnam wurde nie gefunden. Einige sagen, er habe sie mit sich genommen. Andere sagen, ihr Geist hause tief im Innern des Burgfelsen und warte auf den Tag, da Dietrich zurückkehren würde.

Hunderte von Jahren mussten vergehen, Mauern fielen ein, wurden aufgebaut und fielen wieder ein. Kriege wurden geführt und verloren. Dann kam E. Schmitz und kaufte die Burg. Immer wenn er durch die kalten Gänge der Burg schlurfte, grinste er. Selbst wenn er schlief, verschwand das Grinsen nicht aus seinem Gesicht.

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Mai Tai für kleine Mädchen

Verfasst von frauvonwelt am Juli 20, 2007

In Mainz geht man jetzt ins Sausalitos. FrauvonWelt auch. In geheimer Mission mit Ulla. Ulla ist dreifache Mutter und trotzdem immer (noch) gut drauf. Wenn sie rausgehen will, drückt sie ihrem Daheimgebliebenen kurzerhand die drei Rotzlöffel in den Arm, dreht sich auf dem Absatz um, winkt noch fröhlich und wünscht allen einen schönen Abend. Vornehmlich aber sich selbst.

Im Sausalitos gibt es den besten Mai Tai der Stadt. Ulla bestellt ohne zu zögern zwei. FrauvonWelt, immerhin ihr KfZ im nahegelegenen Parkhaus stehen habend, lächelt der Bedienung noch die Worte “aber bitte für kleine Mädchen” zu. Die grinst und macht sich an die Arbeit. Anders als gewollt. Der erste Mai Tai löst eine saharaähnliche Hitzewallung bei FrauvonWelt aus. Schweißperlen rinnen ins Dekolleté.

Ulla erzählt vom geplanten Urlaub. Drei Wochen Thailand mit drei Kids. Dann erzählt sie von ihrem Mann und wird dabei etwas leiser. Man hat halt keine Zeit mehr füreinander. Die Kinder sind immer da. Und wenn sie nicht da sind, sind sie im Kopf. Oder die Arbeit muss erledigt werden. Der Haushalt. Die viele Wäsche. Und an alle Termine müsse sie denken. Hier Geburtstag, dort Geburtstag. Ständig irgendwelche Elternabende. Undundund… Dann bestellt sie noch zwei Mai Tai.

FrauvonWelts Einwand kommt zu spät. So kennt sie Ulla nicht. Ulla stöhnt das altbekannte Hausfrau-Mutter-Ehefrau-Lied und das nicht mal besonders gut. Die Mai Tais hingegen sind schweinelecker. FrauvonWelt denkt schon nicht mehr an ihr Voiture und stochert selig beschwingt das gecrashte Eis in ihrem Glas umher. Sie versucht das Thema auf etwas anderes zu lenken, zum Beispiel auf den lateinamerikanischen Superboy, der es sich da hinten auf der riesigen Holzschaukel bequem gemacht hat. Ullas Augen verdoppeln sofort das Volumen und signalisieren der Bedienung, dass sie noch mal nachlegen dürfe.

FrauvonWelt ist das inzwischen schon völlig egal. Sie blickt in Richtung Schaukel und langsam verschwimmen die Umrisse des Latinoboys im trüben Schummerlicht und formen sich zu einer achsovertrauten Silhouette: Ettore. Da sitzt er, ganz der Grinsschmitz, Suppenkelle in der einen, Gurkenglas in der anderen Hand. Ullas Wortfetzen dringen immer seltener zu FrauvonWelt durch, längst schon lauscht sie Ettores Sirenengesang. Sanft umschmeicheln seine Worte ihre Sinne. Sie will zu ihm, will seine Nähe. Wieder rinnt der Schweiß. Dann fällt sie von Stuhl.

Ulla stoppt ihren Redeschwall und erkundigt sich blöde stierend nach dem Befinden.
Alles okay, gibt FrauvonWelt wankend zur Antwort während sie wieder auf ihren Stuhl krabbelt. Ihr Blick bleibt sofort an der Schaukel haften: leer.
Wo ist er hin?
Wer?
Na er?
Ach so. Na der ist da hinten, bei dem Blondchen gelandet.
FrauvonWelt entdeckt den Latinoboy Schulter an Schulter mit irgendeinem Nichts.
Aua.
Hast du dir doch weh getan?
Nein, oder doch, ach, was weiß denn ich. Komm, wir fahren nach Hause.
Ulla winkt die Bedienung herbei.
Acht Mai Tai. Macht 64 Euro.

Das war es wert, denkt sich FrauvonWelt, und steuert fidel ihr Auto und Ulla nach Hause.

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Im Schatten der Sterne

Verfasst von frauvonwelt am Juni 5, 2007

Die Nacht war empfindungslos. Mächtige Wolken nehmen dem Mond das Licht und zu dem Geschehen in den Straßenschluchten der Metropole gesellt sich die ewig dem Bösen verbundene Dunkelheit. FrauvonWelt zieht den Reißverschluss ihrer Jacke hoch, als der hinter ihr heranschleichende Schatten schon ihre Knöchel umfasst. Nur wenige Sekunden später schiebt sich eine kalte, an den Rändern grün phosphorisierende Hand auf ihre Schulter. Eisesblitze zucken durch ihren Körper, sie fährt herum, schreit, schreit noch lauter, schlägt nach der Phosphorhand, will wegrennen, doch die Hand krallt sich in ihren Oberarm. FrauvonWelt tritt zu, doch ihr Knie zerschellt am stahlgehärteten Oberschenkel des übermächtigen Angreifers. Im Schmerz merkt sie, dass eigentlich nur sie es ist, die da so rumzappelt. Sie hält inne, befreit mit einer Hand ihr Gesicht von der wildzottelnden Haarmähne und schaut ihrem Feind direkt in die Augen.
“Ettore, DU? Willst du mich umbringen?”
“Nein, das machst du gerade schon selbst.”
“Und was bitte soll dieser Überfall hier?”
“Ich bin nur hier, um dich zu beschützen.”
“Ach so geht das heute. Au, mein Knie.”
“Komm, zeig mal her. Hm, sieht übel aus, kannst du damit laufen?”
“Nie wieder.”
“Okay, ich trag dich.”
FrauvonWelt schwingt sich in die nun dunkelrot leuchtenden Arme ihres Beschützers und lässt sich in die Ungewissheit leiten, die ganz typischerweise den Träumen junger Mädchen anhaftet.

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Dunkle Gestalten

Verfasst von frauvonwelt am Mai 28, 2007

Berlin also. FrauvonWelt und Susi haben die Metropole erreicht. Alles ist nass. Die Hauptstadt trieft. Kreuzbergs Straßen ein Grau. Die beiden stürzen in den Würgeengel, der zu dieser frühen Stunde erst spärlich besucht ist. Der Tisch rechts vom Tresen empfängt sie träge. Susi lässt sich auf einen Stuhl fallen. Hier hat er gesessen, erklärt sie wortkarg und wird im gleichen Moment totenbleich.
“Susi? Was ist los? He, Bedienung, kann ich mal schnell ein Glas Wasser haben?”
Die Bedienung kommt gerannt und bringt das rettende Elixier. “Hier, trink! Und du leg ihr die Füße hoch. Ja, ja, das kenn ich. Der Kreislauf. Schon nen Schwangerschaftstest gemacht, Kleine? Was habt ihr denn für ne Tour hinter euch. Du bist ja völlig fertig.”
FrauvonWelt findet ein paar erklärende Worte, von wegen langer Autofahrt und Wetterumschwung und so. Aber die Bedienung ist eindeutig nicht von gestern. Sie kennt die Menschen, die hier reinkommen. Ihre Augen schauen tief. All die Gesichter mit all den Geschichten dahinter, sie kennt sie.
Susi kommt wieder zurück ins Leben und braucht jetzt was zu essen. Der große Tapasteller macht sie wieder gesprächig. Sie winkt die Bedienung zu sich. Dann erzählt sie ihr die ganze Tragödie. Die muss erst einmal lachen.
Das ist nicht euer Ernst? Du hattest einen One-Night-Stand in Berlin und suchst nun diesen Typen. Ach, Herzchen, hast du ne Ahnung wie viele Typen es in Berlin gibt? Hast du ne Ahnung, was in den Nächten dieser Stadt passiert? Wie viele verlorene Seelen hier gezeugt werden? In dieser Stadt kannst du nichts gewinnen. Vergiss den Typen, der dir dieses Kind gemacht hat. Fahrt wieder nach Hause.”
Susi, die gerade die letzte getrocknete Tomate vertilgt hat, sieht die Dinge allerdings ganz anders: “Ich denke überhaupt nicht daran. Ich will den Vater meines Kindes finden. Und ich weiß, ich werde ihn finden. Ich werde diese ganze verdammte Scheißstadt nach ihm absuchen. Ich werde jeden einzelnen Scheißtypen auf der Straße anquatschen und ihn fragen, ob er einen Künstler aus Schöneberg kennt. Ich suche ihn übers Radio und von mir aus auch übers Fernsehen. Ich will ihn finden. Und wenn es das letzte ist, was ich tue.”

Die Bedienung legt beide Hände auf Susis Schultern und fleht Beruhigung herbei. “Setzt dich wieder hin, Mädchen. Und dann wiederhol mal, was du da eben gesagt hast. Künstler aus Schöneberg? Hab ich da richtig gehört?”
“Ja, in seiner Bude standen zig Bilder rum. Er musste eine Ausstellung vorbereiten oder so was. Er hat viel erzählt von…”
“Unser Schneckchen”, fällt ihr die Bedienung ins Wort, “du hast dir tatsächlich unser Schneckchen geangelt. Das glaub ich ja nicht.”
“Du kennst ihn?” Susi springt auf, wird aber sofort wieder von den freundlichen Händen auf ihren Stuhl gedrückt.
“Ja, ich kenne ihn. Den kennt hier inzwischen jeder. Umso erstaunlicher, dass er sich hier n Mädel aufreißt, aber nun gut, du bist nicht von hier, wahrscheinlich hat er gedacht, er sieht dich nie wieder. Er war schon seit drei Wochen nicht mehr hier. Wahrscheinlich die Arbeit. Er sagt, die Geschäfte laufen gut. Er steht wohl kurz vor dem großen Durchbruch. Na, da kann er so was jetzt super gebrauchen. Ach, Mädchen, und jetzt soll ich dir wohl sagen, wo er wohnt?” Sie zögert, steht auf, kommt mit einem Stapel Postkarten zurück. “Hier, die sind von ihm. Da steht auch seine Adresse drauf.”
Susi nimmt die Postkarten. “Danke, vielen Dank. Wenn er nichts von mir und dem Kind will, ist auch okay, damit werde ich klar kommen. Er soll es nur wissen. Ich will auch kein Geld von ihm,” Susi macht eine lange Pause, die Tränen stehen ihr in den Augen, “ich will eigentlich nur einen Vater für mein Kind.”

Dreizehn Minuten später stehen Susi und FrauvonWelt vor seiner Wohnungstür. Die Nacht ist dunkel, der Regen hat aufgehört und es liegt eine samtige Reinheit über der Stadt.
“Nun klingle schon!”
“Nein, ich trau mich nicht.”
“Los, mach schon, sonst klingle ich.”
“Nein, Finger weg, ich weiß doch gar nicht, was ich sagen soll.”
“Egal, das weißt du in zehn Minuten auch nicht. Lass es auf dich zukommen. Ich klingle jetzt.”
“NEIN, tu das nicht. Ich muss das machen.”
“Okay, dann los.”
“Ich trau mich nicht.”
“Gut, dann ich.”
“NEIIIIN!”
Die Tür geht auf.
“Kann ich euch beiden irgendwie helfen? Was soll denn bitte das Geschrei hier vor meiner… DU??!!…Was machst du denn hier? Meine Güte kommt rein.”
Susi macht ein paar Schritte nach vorn und im nächsten Augenblick liegen sich die beiden in den Armen und ihre Lippen kleben aneinander.
FrauvonWelt, der Überflüssigkeit anheim gegeben, zieht die Tür langsam zu und denkt sich, dann geh ich mir halt die Berliner Nacht mal alleine anschauen. Sie spaziert zum Bahnhof Südkreuz und weiß eigentlich gar nicht wohin, als plötzlich neben ihr eine riesige, bucklige Gestalt aus dem Dunkel auftaucht.

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