FrauvonWelt

Die Welt von einem rosa Plüschsessel aus betrachtet.

Mit ‘Mutter’ verschlagwortete Einträge

Zadie Smith: Von der Schönheit

Verfasst von Mama am Januar 8, 2008

FrauvonWelt sitzt in ihrem rosa Plüschsessel und klappt das Buch zu. Die Kritiker sind sich einig: Zadie Smith ist eine intelligente Frau und sie hat einen intelligenten Roman geschrieben. Ja, lauter intelligente Leute. Im Zentrum zwei intelligente Familien. Selbst die nymphomanische Tochter ist intelligent, die Tochter der anderen ist die intelligenteste an der Uni, der Rapper von der Straße ist intelligent, die tote Ehefrau sowieso, der intelligente Sohn wird gar zum Christen, der andere intelligente Sohn wird zum Dieb, und allen voran stolzieren die intelligenten Papas, die Professoren, die pimpern die studentischen Töchter.

Nur die eine, die Mutter, die wendet sich ab von der ganzen Universitätsintelligenzia, sie lebt nicht aus Büchern, durch Reden, durch Aufsätze. Sie kämpft nicht um Ruhm und Titel, sie kämpft um ihre Liebe. Sie wird betrogen, nicht einmal, nicht zweimal. Sie leidet, aber sie kämpft. Sie hat keine Argumente außer den Speckringen auf ihren Hüften und den grauen Strähnen in ihren Haaren. Die Schönheit, die ihr das Leben schenkte. Sie steht wie ein Fels in der Brandung bis letztendlich die ganze Intelligenz an ihr zerschellt.

Zadie Smith hat nicht nur ein intelligentes Buch, sie hat vor allem ein kluges Buch geschrieben. Und ein schönes.

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Suchbegriffbeantwortungsstunde (1): Wo gibt es Kuhbettwäsche?

Verfasst von Mama am Dezember 19, 2007

FrauvonWelt ist nach wie vor entzückt von den Suchbegriffen, über die die Menschen in ihrem Häuschen landen. Sie ist sich allerdings nicht sicher, ob die Suchenden fündig werden. Daher will sie sich nun persönlich daran machen, die Fragen der Suchenden zu beantworten.

Frage: Wo gibt es Kuhbettwäsche?

Schöne Kuhbettwäsche, lieber Suchender, ist absolut wichtig zu haben. Ich rate Ihnen zu flauschiger Biberqualität. Ich selbst schlafe ja nur in Biber. Da will man dann gar nicht mehr raus und immerfort kuscheln und noch mal rein kuscheln und… Aber zurück zu Ihrer Frage. Haben Sie es schon mal in einem handelsüblichen Bettwarenladen versucht? Die Verkäuferinnen in solchen Läden sind ja immer sehr höflich und hilfsbereit. Diskret auch. Haben auch oft ganz tolle Alternativideen. Katzenbettwäsche zum Beispiel. Aber die wollen Sie ja nicht, nein.

Gut, wenn das nicht klappt, könnten Sie vielleicht statt der Bettwäsche eine handelsübliche Kuh mit ins Bett nehmen. Die gibt es auf Viehmärkten oder beim Bauern. Eine Kuh im Bett ist auch schön warm jetzt im Winter. Erspart Ihnen die Wärmflasche und spricht nicht so viel.

Sollte Ihr Bett allerdings zu klein sein, um es mit einer Kuh zu teilen, dann, ja dann müssen Sie selbst ran. Nehmen Sie weiße Bettwäsche, fünf handelsübliche Eddings, dick, und legen los. Malen Sie Flecken. Aber schön gleichmäßig. So selbstgemalte Bettwäsche ist auch ein Supergeschenk. Ihre Mutter würde sich bestimmt super freuen. Mütter freuen sich immer über Selbstgemachtes.

Ich weiß nicht, wen Sie mit dieser Kuhbettwäsche glücklich machen wollen, sich selbst, Ihre Mutter oder jemand anderen, ich weiß es nicht. Aber allein Ihre Frage zeigt: Sie sind ein guter Mensch! Sie haben das Herz am rechten Fleck. Ich wünsche Ihnen viel Freude mit Ihrer Kuhbettwäsche. Aber denken Sie dran: Biber! Ohne Biber kuschelt nichts.

Herzlich
Ihre FrauvonWelt

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Verfasst von Mama am August 31, 2007

Die Tasse Tee steht auf dem Tisch. Heiß. Dampfend. Frische Minze. Soll das Gehirn beruhigen. FrauvonWelt ist ganz ruhig. Ihre Hand schiebt langsam, ganz langsam die Tasse vom Tisch.

Das hat sie von ihrer Mutter gelernt. Age quod agis.

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Europa im Pumpernickelland

Verfasst von Mama am Juni 25, 2007

Auch in Westfalia kennt man Europa. Man feiert diese Kenntnis alljährlich mit einem schönen Europafestival „mit internationalem Flair“. Warum man das tut, weiß der Kuckuck, der aber ist zu dieser Zeit verreist, wir können ihn also nicht fragen. Anders FrauvonWelt. Sie reist an. Ihre Pumpernickelvorräte sind geschrumpft, was also liegt näher als die Heimat?
Und die ungarischen Mädchen tanzen über den Rathausplatz, dass es eine Pracht ist. Auch bei Regen tanzen und lachen die weiter. FrauvonWelt sieht das alles von ihrem Lieblingsplatz aus. Ihr Lieblingsplatz ist der am Fenster ihres ehemaligen Teeniezimmers. Da oben im zweiten Stock, weit über dem rot leuchtendem Schriftzug, der die Fleischerei ankündigt, sitzt sie heute noch gerne und schaut hinaus.

Als sie klein war, war da unten noch keine Fußgängerzone, in der sich alte Herrschaften in beigen Mänteln von den Erfolgen ihrer Kur berichteten, da waren auch die Bäume anders, die Blumen nicht so üppig, die Autos nicht so unübersehbar viele. Alles zuviel heute. Und Ungarn gab es damals auch nicht. Auch kein Europa, höchstens mal Ostsee, Nordsee oder Holland.
„Kind, mach doch mal die Tür auf.“
„Nein, keine Lust.“
„Musst du dich denn immer einschließen?“
„Ja, sonst kommt ihr ja ständig rein.“
„Was machst du denn da drin?“
„Nichts.“
„Kommst du zum Essen?“
„Nein, kein Hunger.“
Die Musik wird lauter, vor dem dunkler werdenden Horizont trotzt das Riesenrad, die Menschen drehen sich im Kreis und um sich selbst. Sie bewegen sich nicht. Wie ein zähes Band ziehen sie sich durch die Straßen, bumbumbum, rumtata, rumtata, quillt es in ihre Köpfe und nach etlichen Gläsern Bier auch wieder raus. Rumtata, sie tanzen wieder, die ungarischen Kostümmädchen. Die geflochtenen Zöpfe wirbeln den roten Kleidern gleich durch die Lüfte. Ungarn? Wie gut. Wie gut, dass deine großen Musiker das hier nicht hören müssen, wie gut, dass deine großen Dichter das hier nicht sehen müssen. Die moralische Krise Ungarns findet statt auf einem bundesdeutschen Provinzrathausplatz. Kértesz hat das immer gewusst.

Ein Kind schreit nach seiner Mutter und kriegt im nächsten Moment eine gelangt. Breitgrinsende Weiber hängen an Bierbuden, Hunde werden getragen und ein Radfahrer schlängelt sich durch die Massen.

FrauvonWelt wendet den Blick ab, steht auf. In der Küche die Mutter.
„Mama, was gibt’s denn heute Schönes zu essen?“
Sagt sie und legt dabei leicht den Arm um die Schultern ihrer Mutter.

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Schon wieder Eier

Verfasst von Mama am März 13, 2007

FrauvonWelt hat sich wieder beruhigt. Gemeinsam mit Susi plant sie die nächste Party. Wo geht man nur hin, wenn die Welt voller Ostereier hängt? Irgendwo muss doch mal wieder was los sein. Irgendwas, was nichts mit Ostereiern zu tun hat.

Davor graut ihr schon jetzt. Ostereierfrühstückstisch bei Mama. Die ewiggleichen Eierwärmer – gelbe Strickküken. Hat ihre Mutter schon von ihrer Mutter. FrauvonWelt hat schon darum gebeten, diese Küken eines Tages erben zu dürfen, um sie dann mit Scheren, Messer und anderen Mordinstrumenten bearbeiten zu können. Ihre Mutter, froh darüber, dass die niedlichen Dinger auch nach ihrem Tod noch Menschen erfreuen dürfen, hat gleich zugestimmt.

Und so wird es kommen: FrauvonWelt wird all ihre Kükenmordpläne beiseite schieben und jedes Jahr Ostern diese gelben Viecher über bunte Eier stülpen. In Gedenken an ihre Mutter. Möge sie noch lange leben.

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