FrauvonWelt

Die Welt von einem rosa Plüschsessel aus betrachtet.

Powershopping in Paderborn

Verfasst von frauvonwelt am Juli 31, 2007

Zwei Stunden Zeit. Mehr nicht. Das Parkhaus öffnet seine Pforten, FrauvonWelt strömt hinein. Ab durch die Liboriusgalerie, links geguckt, rechts geguckt, nein, kein Verweilen. Ab zum Markt. Im Schuhgeschäft nicht die passenden Größen, aber dann ein Manteltraum in traumbraun - gekauft. Weiter geht’s. Ein Blick zum Rathaus. Ja, sieht immer noch so aus wie früher. Der nächste Laden: Hose passt wie maßgeschneidert, weiße Bluse auch, T-Shirt zu eng, fünf andere bitte, okay, drei passen. Dann wieder ein Schuhgeschäft: silberblaue Turnschuhe super, gekauft. Oh je: braune Prada-Stiefel. Die würden super zu dem neuen Mantel passen, auch vom Preis! FrauvonWelt geht ganz tapfer dran vorbei. Nur ein kurzer Blick. Vielleicht nur mal anprobieren? Nein, weitergehen. Nächster Laden: noch ein paar goldene Schuhe, eine Hose, eine Strickjacke, zwei T-Shirts. Reicht’s? Nein, noch ein halbe Stunde Zeit. Noch mal kurz die Stiefel angucken? Nein, lieber nicht. Erst einen Espresso trinken. Nur noch Stiefel im Kopf und volle Tüten in der Hand. Noch einen Espresso bitte. Oder zwei. Oder drei.

Dingdong. Zeit ist um. Na, Gottseidank.

Und die Stiefel? Gekauft! Auf dem Rückweg.

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Mit dem Taxi durch die Vergangenheit

Verfasst von frauvonwelt am Juli 25, 2007

Er fährt Taxi. Er fährt durch meine Straßen. Ich kenne sie fast alle, auch wenn ich seit ewigen Zeiten nicht mehr dort war. Aber wenn er sie heute mit seinem Scheinwerferlicht erhellt, dann bin ich wieder da. Dann bin ich wieder achtzehn, neunzehn, zwanzig und fahre mit weißem Polo und jugendlicher Schwermut durch das nächtliche Schwarz.

Oft waren sie düster diese Straßen meiner Jugend. Anfangs führten sie mich immer ins RedHouse, aber nie dahin zurück, wo ich hergekommen war. Das elterliche Verbot für diesen Laden drang nicht zu mir durch. Verkehrte ich doch schon seit Jahren dort. Kannte ich doch all das, wovor meine Eltern mich glaubten schützen zu müssen, längst. War längst Teil dieser Szene, die aus Verzweiflung so laut schrie, dass jeder Schlaf in dieser Stadt ein Wunder war. Jedes Mal, wenn ich nach einer Nacht im RedHouse die Augen aufschlug, war ich jemand anderes. Irgendwann wusste ich nicht mehr, wer ich bin. Das aber war schon mein zweiter Tod. Andy hingegen starb nur einmal. Als wir ihn fanden unten in den Toiletten am Domplatz, hätte ich ihn fast nicht erkannt. Wir leerten seine Taschen und liefen und heulten und liefen. Wohin weiß ich bis heute nicht. Am nächsten Morgen, ich wieder ganz das Mädchen aus gutem Hause, überraschte mich meine Mutter mit einem Strauß roter Rosen. Eine Karte: Andreas F. Er hatte noch an meinen Geburtstag gedacht, dieser verdammte Idiot. Dieser verdammte Idiot, nimmt sein letztes Geld und kauft mir Rosen. Ich nahm die Rosen, fuhr zum Domplatz und ging in den Dom. Ich ging wirklich in diesen Dom rein, setzte mich irgendwo hin und spürte nichts. Du wolltest doch aufhören, Du verdammter Idiot, Du hast es mir versprochen, Du hattest es mir verdammt noch mal versprochen. Wir wollten diesen Tag zusammen feiern. Wollten einen Anfang feiern. Ich ließ die Rosen dort und ging mit leerem Herzen. Seit dem hab ich den Dom nie wieder betreten.

Er fährt Taxi. Er fährt durch meine Straßen. Die meisten Namen sind geblieben, einige sind neu, heute so nichtssagend wie damals. Nachdem ich dem RedHouse-Sumpf entkommen war, wurde es, wurde ich schick. Nun ging man ins Playa. Das war da, wo heute das OX ist. Donnerstags war dort der umschwärmteste Tablettschwinger Ostwestfalens unterwegs. Über die Köpfe der tanzenden Massen (Mädels) hinweg, jonglierte er die vollen Gläser immer sicher zum Ort ihrer Bestimmung. Donnerstags waren fast nur Mädels im Playa und alle wollten ihn. Ich lernte ihn irgendwann kennen. Nicht im Playa, sonders auf einer Party. Er hieß Alex und war nicht nur der größte Tablettschwinger, sondern auch der dümmste Hohlschwinger Ostwestfalens. Seitdem ging in donnerstags nicht mehr ins Playa.

Er fährt Taxi. Er fährt durch meine Straßen und erzählt von seinen Fahrgästen. Es sind fast immer andere. Meine waren fast immer die gleichen. Markus, der sich mit einer Kippe auf meinen Sitzen verewigte. Petra, die ewige Petra, die immer so sein wollte wie ich, was ich aber nie verstanden habe. Sabine, die mich gerne in den Armen von Boris gesehen hätte, damit sie sich an Maik ranmachen konnte. Die restlichen Japhets, Volkers, Christophs, Silkes, Steffis und Birgits fuhren mal mehr mal weniger im Kofferraum mit. Oder saßen im nächsten Wagen. Die Frage “Wo gibt’s nachts noch was zu futtern?” haben wir uns auch oft gestellt. Irgendwann hatten wir es raus, dass es eine Pommesbude im Industriegebiet gab, die durchgehend auf hatte. Klar, dort in der Nähe war ja auch der Bienenkorb mit durchgehendem Verkehr.

Er fährt Taxi. Er fährt durch meine Straßen. Er erzählt von den Festen in diesen Straßen. Libori, ein Kuss hoch oben im Riesenrad, Luna-Park, eine Zuckerwatte, die nicht aufhören wollte uns zu verkleben, Schützenfest, ein platter Reifen nachts um ungefähr pi Uhr. Endlos das Feuerwerk. Die Gesichter. Die Geschichten. Die Straßen. Die Jahre.

Er fährt Taxi durch meine Vergangenheit. Einsteigen bitte.

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Ganz entzückend

Verfasst von frauvonwelt am April 11, 2007

Das schlägt dem Fass den Boden ins Gesicht: FrauvonWelt war im Traktorenmuseum. So was gibt’s wirklich, so was macht sie. Ein Haus voller schöner roterblauergrüner Traktoren. Und ein nicht mal kleines Haus. Dicht an dicht stehen sie da drin. Ob Hanomag, Deutz, Lanz oder MAN – FrauvonWelt hat sie gesehen und berührt und war ganz entzücktentzückt. Nein, sie hat nicht aufgesessen, ist nicht über den nächstgelegenen Acker gebrummt und hat auch sonst nicht versucht, irgendwelchen in ledergewickelten, zweiradmotorisierten Herren (die gab es da zu hunderten) zu imponieren. Sie war einfach nur da und war entzückt. Über sich und die Traktoren. Sie war während der üblichen Öffnungszeiten da und hat die üblichen 5,50 Euro Eintritt bezahlt. Aber was, was hat sie dorthin geführt?

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