FrauvonWelt

Die Welt von einem rosa Plüschsessel aus betrachtet.

Petticoat-Mädchen tanzt nicht mehr

Verfasst von frauvonwelt am Januar 14, 2008

FrauvonWelt sitzt in ihrem rosa Plüschsessel und schmeißt wütend die alte Teetasse in die Spüle. Hoffentlich geht sie kaputt, denkt sie beim Beobachten der Flugbahn. Dann kracht es. In der Spüle lag noch die Kuchenplatte mit dem Petticoat-Mädchen. Ein Erbstück von der Oma.

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Zadie Smith: Von der Schönheit

Verfasst von frauvonwelt am Januar 8, 2008

FrauvonWelt sitzt in ihrem rosa Plüschsessel und klappt das Buch zu. Die Kritiker sind sich einig: Zadie Smith ist eine intelligente Frau und sie hat einen intelligenten Roman geschrieben. Ja, lauter intelligente Leute. Im Zentrum zwei intelligente Familien. Selbst die nymphomanische Tochter ist intelligent, die Tochter der anderen ist die intelligenteste an der Uni, der Rapper von der Straße ist intelligent, die tote Ehefrau sowieso, der intelligente Sohn wird gar zum Christen, der andere intelligente Sohn wird zum Dieb, und allen voran stolzieren die intelligenten Papas, die Professoren, die pimpern die studentischen Töchter.

Nur die eine, die Mutter, die wendet sich ab von der ganzen Universitätsintelligenzia, sie lebt nicht aus Büchern, durch Reden, durch Aufsätze. Sie kämpft nicht um Ruhm und Titel, sie kämpft um ihre Liebe. Sie wird betrogen, nicht einmal, nicht zweimal. Sie leidet, aber sie kämpft. Sie hat keine Argumente außer den Speckringen auf ihren Hüften und den grauen Strähnen in ihren Haaren. Die Schönheit, die ihr das Leben schenkte. Sie steht wie ein Fels in der Brandung bis letztendlich die ganze Intelligenz an ihr zerschellt.

Zadie Smith hat nicht nur ein intelligentes Buch, sie hat vor allem ein kluges Buch geschrieben. Und ein schönes.

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Flitterwochen

Verfasst von frauvonwelt am Dezember 21, 2007

FrauvonWelt ist auf Hochzeitsreise. Allein. Ihre Frau hat sie verlassen. Ist mit einigen anderen durchgebrannt. Und nicht nur sie, auch ihr Plüschsessel befindet sich auf Abwegen. FrauvonWelt kann das alles nicht verstehen. Warum wenden sich alle von ihr ab? Warum nur? Was hat sie getan?

Zu Tode betrübt lässt sie das champagnerglasklare Wasser der mintfarbenen Südsee mit ihren Füßen spielen. Sie blickt in den sonnenverwöhnten Himmel, streift den Horizont und muss stundenlang mit ansehen wie nichts passiert. Ach, welch ein Leid für unsere FrauvonWelt.

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Vom Himmel hoch

Verfasst von frauvonwelt am Dezember 14, 2007

Nun ist aber auch mal wieder gut. Hört die denn gar nicht mehr auf mit ihrem Trauergesang? Nein. Doch. Jetzt geht es erst richtig los.

FrauvonWelt sitzt in ihrem rosa Plüschsessel, futtert Erdnüsse und wärmt sich wieder auf. Es wird ja nun auch dem letzten Besucher hier nicht entgangen sein: FrauvonWelt spinnt in den letzten Tagen ein bisschen, ist nicht wirklich bei sich. Macht aber nichts. Ist irgendwie auch normal. Da ist jemand gestorben. Da darf man schon mal aus der Kurve fliegen. So wie die letzte Erdnuss gerade auch.

Nun also auch noch das Seelenamt, Requiem, Totenmesse. Schlotterkalte Kirche. Prachtvolle Innereien. Leere Bänke. Zwei alte Mütterchen beten den Rosenkranz. Ein Pfarrer, zwei Messdiener, zwei Messdienerinnen. Die waten und beten und stellen ihre Kerzlein an die richtigen Plätze. Die gucken ganz ernst, einer gähnt. Singen Lieder, die keiner kennt. Die zwei alten Mütterchen singen mit einer Innbrunst, wie sie wahrscheinlich inbrünstiger in ihrem Leben nichts getan haben. Der Pfarrer knutscht das Evangelium.

Die Kälte greift an. Aufstehen. Beten. Hinsetzen. Aufstehen. Beten. Hinknien. Aufstehen. Hinknien. Setzen. Singen. Aufstehen. Beten. Wie kalt einem wohl wäre, wenn diese Bewegungsspiele nicht wären? Erstaunlich: Die Gewänder des Pfarrers und der Messdiener sind alle gleich lang. Wie sie da so in einer Reihe vor dem Altar stehen, bilden die Säume genau eine Linie. Eine Linie bilden auch die Gesangsbücher. Die Kälte hat gewonnen. Die Füße sind abgefallen. Schockgefrostet.

Von den Worten des Pfarrers keines verstanden. Küsst wieder das Evangelium. Betet. Isst den Leib, trinkt das Blut. Redet von Vergebung der Sünden, von Vergeltung und Auferstehung. Das ewige Leben schenkt er sich. Wem sonst? Ein Segen. Die Finger sind blau.

Warum ist Sterben eigentlich so eisekalt?

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Abschied

Verfasst von frauvonwelt am Dezember 8, 2007

Nun fliegst du davon in ein Land weit, weit entfernt. Seit der Sekunde, da dir Flügel wuchsen und du leise Lebwohl sagtest, male ich dir dieses Land. Es ist hell, es ist warm und es lacht. Überall stehen rosa Plüschsessel und überall gibt es Himbeereis. Ja, es ist mein Paradies. Ich wünsche es dir.

Aber deiner Frau, die ich hier in diesem kalten, verregneten Land, auf diesem kalten, verseuchten Planeten in den Armen halte, die sich an mich klammert mit den Worten “Es tut so weh, es tut so weh!”, der kann ich nichts geben, keine Worte, keine Taten, nichts. Es ist alles nichts. Weil alles nicht hilft, den Schmerz zu lindern. Worte fallen wie Steine in einen leeren Brunnen. Der Aufschlag hallt durch die Leere. Schmerzt. Nur schweigend erträgt man das bleierne Zeitenband. Die Zukunft eine schwarze Wand, die alles Lachen erstickt, alles Licht verschluckt. Es ist alles nichts. “Es tut so weh, es tut so weh!”

Wenn du die Plüschsessel anders stellen möchtest, dann bitte, es ist jetzt dein Land. Es ist alles warm, es ist alles hell, es gibt kein Leid und keine Schmerzen mehr. Du hast es geschafft, bist am Ziel deiner Reise. In einem Land weit, weit entfernt.

“Es tut so weh.”

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